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Literaturtheorie: Gumbrecht diagnostiziert das Ende der Literaturtheorie


Gumbrecht diagnostiziert das Ende der Literaturtheorie

Die Literaturtheorie hat seit Derridas „De-konstruktion“ die intellektuellen Debatten markant beeinflusst. Nun hat kurz nach dem Tod des Meister der an der Stanford Univer-sität lehrende einflussreiche Literaturwissen-schaftler Hans Ulrich Gumbrecht in der Frankfurter Allgemeinen (Die neue Wört-lichkeit, 16.2.2005) nicht nur das Ende die-ses Einflusses, sondern sogar das Ende der Literaturtheorie mitgeteilt: „Inzwischen ist die Literaturtheorie dabei, uncharakteristisch leise und beinahe eilig abzutreten….Selbst Literaturwissenschaftler sprechen davon bloß am Rande, ohne es zu beklagen oder sich darüber zu freuen.“ Sollte das richtig sein, warum tritt die Literaturtheorie ab? Gum-brecht gibt dazu mehrere Hinweise.
Zum einen hat man erkannt, dass sich ein al-le Bereiche abdeckender Literaturbegriff nicht gewinnen lässt. Eine Erkenntnis, die zu einem „Gefühl der Entspannung“ geführt ha-be. Zum anderen bewundere man die „schwindelerregende Virtuosität“ Derridas, sehe aber nicht ein, warum man „diese Ges-ten verewigen sollte“. Allerdings seien die
Forschungsinstitutionen träge, die Gelder flössen weiter und so werde eben weiter an den Projekten gearbeitet, auch wenn das In-teresse an den Ergebnissen nicht mehr da sei. Als Gegenbewegung sieht Gumbrecht ein Wiederaufleben alter Traditionsbestände und „eine Konzentration auf klassische Texte, wobei die Grenzen zwischen Literatur und Philosophie zu schwinden beginnen“. Damit meint er eine Begeisterung für literarische Texte, in denen solche philosophische Fra-gen behandelt werden, die die Philosophen nicht beantworten können (Gumbrecht spricht dabei von einem „neuen Existentia-lismus des literarischen Lesens“).





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