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Hegels Vorlesungen zur Philosophie der Kunst von 1826

Hegels Vorlesung zur Philosophie der Kunst von 1826

Für eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit Hegels Philosophie der Kunst bietet dessen Vorlesung von 1826 eine her-vorragende Grundlage. Annemarie Gethmann-Siefert, die beste Kennerin des Themas, hat sie in Zusammenarbeit mit Jeong-Il Kwon und Karsten Berr ediert:

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Philosophie der Kunst. Vorlesung von 1826.300 S., kt., € 10.—, 2006, stw 1722, Suhrkamp, Frankfurt

Wie sie in der Einleitung ausführt, war zur Zeit von Hegels plötzlichem Tod im Jahr 1831 die Ästhetik noch nicht abgeschlossen und von einer Veröffentlichung noch weit entfernt. Dennoch erschien sie im Rahmen der von seinem Schüler Heinrich Gustav Hotho veranstalteten Hegel-Gesamtausgabe. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Gewissheit durchgesetzt, dass eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit Hegels Philosophie der Kunst sich besser nicht mehr auf diese Edition der Ästhetik oder Philosophie der Kunst stützt. Zweifel am Text entstanden durch die Vorbereitungen der historisch-kritischen Ausgabe von Hegels Vorle-sungen. Es stellte sich heraus, dass die Druckfassung der Vorlesungen mit den bekannten Quellen, Hegelschen Manuskripten und den studentischen Mitschriften selbst in zentralen Gedanken nicht übereinstimmt.

Nach dem Wechsel an die Berliner Universität hat Hegel insgesamt viermal über die Phi-losophie der Kunst gelesen. Und die Tatsache, dass er bis zu seinem Tod die geplante Ausgabe nicht realisiert hat, zeugt von einem anhaltenden Interesse am Thema: Hegel muss für seine Vorlesungen das Material und die Überlegungen zur Philosophie der Kunst nicht nur ständig erweitert haben, er dürfte sogar bis zu seiner letzten Vorlesung an seiner Ästhetik gearbeitet haben.

In den ersten drei Berliner Vorlesungen hat Hegel die Philosophie der Kunst in einen „Allgemeinen“ und einen „Besonderen Teil“ gegliedert, wobei der „Allgemeine Teil“ sowohl die Idee und das Ideal als auch die geschichtliche Konkretion des Ideals in den drei Kunstformen, der „Besondere Teil“ eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Kunstgattungen enthielt. In der letzten Vorlesung hat Hegel diesen Aufbau nochmals differenziert und an die Stelle der Zweiteilung eine Dreiteilung gesetzt, wobei er ein besonderes Gewicht auf die Bestimmung der Kunstformen, damit auf die geschichtlichen Unterschiede in Wirkung und Gestalt der Künste gelegt hat.

Von den ersten beiden Berliner Vorlesungen (1820/21 und 1823) ist jeweils nur eine Nachschrift erhalten geblieben. Von der Vorlesung von 1826 sind dagegen sowohl nach-trägliche Reinschriften als auch unmittelbare Vorlesungsmitschriften bekannt. Auch die letzte Vorlesung von 1828/29 ist durch mehrere Nachschriften dokumentiert. In den beiden letzten Vorlesungen hat Hegel neben der Erweiterung des Spektrums künstlerischer Gestaltung auch den Ansatz seiner Ästhetik, den Ausgang vom Kunstschönen statt vom Naturschönen, ausführlich gerechtfertigt. Zudem diskutiert er eine ganze Reihe exempla-risch herausgegriffener Kunstwerke, um die sogenannte „These vom Ende der Kunst“, nämlich seine Behauptung, die Kunst habe im modernen Staat nicht mehr die Funktion, die Grundlagen des Staates zu stiften, sondern könne lediglich die Rolle der Bildung übernehmen, zu überprüfen.

Der „Sachstand“ der Vorlesung aus dem Sommersemester 1826 ist von besonderem Interesse, weil Hegel hier den gesamten Ansatz noch einmal überprüft hat und ihn durch die Integration einer großen Zahl von Beispielen plausibel und hinsichtlich der systematischen Konzeption „wasserdicht“ machen wollte. Hegel beschäftigt sich in dieser Vorlesung auch eingehend mit unterschiedlichen Künsten und überprüft insbesondere die Möglichkeit der (damals) gegenwärtigen Kunst, Gestaltungselemente anderer Epochen und Kulturen aufzunehmen und so eine umfassende Bildung des modernen Menschen zu gewährleisten.

Die Lektüre der Nachschrift zeigt Hegel als einen Philosophen, der seinen Ansatz prüft, möglichst weitgreifend an Beispielen exemplifiziert und dadurch die systematischen Konsequenzen als wohlbegründet ausweisen kann. Dieser Hegel ist auch erheblich span-nender zu lesen als der dialektische Aufguss und die geschönten Überlegungen, die sich in der Druckfassung der Ästhetik finden.

Die Vorlesung basiert auf der Mitschrift des Studenten von der Pfordten, die den Titel „Philosophie der Kunst“ trägt, Sie umfasst 183 Seiten in sieben Heften und überliefert die die Vorlesung vollständig. Seine Mitschrift erweist sich nach Gethmann-Siefert als ein guter Einstieg in Hegels philosophische Ästhetik, der insbesondere dazu motiviert, die Kernfrage, nämlich die Frage nach der Aktualität des Versuchs einer systematischen philosophischen Ästhetik, in Auseinandersetzung mit Hegel zu erörtern.





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