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Canterbury, Anselm von: Über die Wahrheit

ANSELM VON CANTERBURY

Anselm von Canterbury ist vor allem durch seine Schriften Monologion und Proslogion und den darin durchgeführten Gottesbeweis berühmt geworden. Weniger bekannt ist seine Schrift De Veritate. Markus Enders, seit dem Jahr 2000 Inhaber des Lehrstuhls für christliche Religionsphilosophie an der Universität Freiburg i.Br., hat sich intensiv mit der Wahrheitstheorie bei Anselm beschäftigt und über dieses Thema habilitiert. Er hat nun eine zweisprachige Studienausgabe des Textes herausgebracht:

Anselm von Canterbury: Über die Wahrheit. Lateinisch-deutsch. 126 S., Ln., € 39.80, 2001, Philosophische Bibliothek 535, Meiner, Hamburg.

Die letzte lateinisch-deutsche Ausgabe von De veritate hatte 1966 der Anselm-Kenner Salesius Schmitt O.S.B. bei Frommann-Holzboog besorgt. Nach Enders’ Angaben korrigiert die vorliegende Ausgabe eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehler der Schmittschen Edition (Enders gibt im Text genau an, wo und warum dies der Fall ist).

Die Enderssche Übersetzung versucht den Sinn des Textes so genau wie irgend möglich wiederzugeben und die Bedeutungsnuancen einzufangen. Das macht den Text stellenweise kompliziert und schwer verständlich. Ein ausführlicher Kommentar, der Kapitel um Kapitel folgt und wesentlich länger ist als der eigentliche Text, erläutert diesen aber eingehend und räumt Unklarheiten aus.

De veritate ist als Dialog verfasst und entstand nach dem Monologion und dem Proslogion. Dort hatte Anselm drei verschiedene Bedeutungen des Wahrheitsbegriffs unterschieden: eine korrespondenztheoretische, eine ontologische (die verschiedene Intensitätsgrade des geschaffenen Seienden anzeigt) und eine theologische, derzufolge Wahrheit als eine Gottesprädikation aufgefasst wird. In keiner der beiden Schriften hatte Anselm diese drei Auffassungen miteinander zu vermitteln versucht. Dies wäre aber, insbesondere was den theologischen Wahrheitsbegriff betrifft, für den christlichen Glauben von großer Bedeutung. In De veritate versucht Anselm nun die begriffliche Vereinbarkeit des genuin theologischen Wahrheitsbegriffs mit den beiden anderen dadurch zu erweisen, dass eine einheitliche, allgemeingültige Definition gefunden wird. Er versucht dies, indem er die Notwendigkeit der wesenhaften Identität der Wahrheitsverständnisse – und damit die objektive Richtigkeit der christlichen Glaubens-Aussage, dass Gott die Wahrheit selbst ist - unter Verzicht auf christliche Glaubens-Aussagen als Erkenntnisquelle – nachweisen will. De veritate fügt sich damit in Anselms methodisches Programm, zentrale christliche Glaubensaussagen allein mit den Mitteln der natürlichen Vernunft als objektiv wahr zu erweisen.




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