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Krause Ausgewählte Schriften

Karl Christian Friedrich Krause –
Ausgabe ausgewählter Schriften


Karl Christian Friedrich Krause, geboren am 6. Mai 1871 in Eisenberg (Thüringen), immatrikulierte sich zum Wintersemester 1797/ 87 in Jena für Theologie. Er wurde Hörer von Fichte, Schelling und Schlegel und promovierte 1801 über ein mathematisches Thema. 1802 erhielt er die venia legendi und begann bereits im Wintersemester desselben Jahres mit Vorlesungen über reine Mathematik, Logik und Naturrecht. Ab Sommer 1803 folgten Vorlesungen über Naturphilosophie. Dabei begeisterte sich Krause für das Konzept einer sich deduktiv entwickelnden Wissenschaft, das er in Schellings Naturphilosophie zu erkennen glaubte.

Als sich Karl Christian Friedrich Krause im Oktober 1804 entschloss, Jena zu verlassen, hatte er dort mehr Hörer als der gleichzeitig lehrende Hegel. Krause zog erst nach Rudolstadt, dann nach Dresden, wo er sich mit Privatvorlesungen und Mathematik¬unterricht über Wasser hielt. In Dresden entwickelte er die Idee einer sittlich geläuterten Humanität. Diese vertrat er nicht nur in verschiedenen Monographien, sondern auch in einer eigenen Zeitschrift, dem Tagblatt des Menschheitslebens.

In der Hoffnung auf einen Lehrstuhl ging Krause, ermuntert von Fichte, nach Berlin und habilitierte sich dort 1814 erneut. Nach Fichtes Tod versuchte er sich als dessen Nachfolger zu bewerben, wurde aber abgelehnt und zog sich, nachdem sich die Hoffnungen auf eine akademische Karriere in Berlin zerschlagen hatten, wieder nach Dresden zurück. Er lebte dort unter ärmlichsten Bedingungen und hochverschuldet mit seiner Familie. 1823 zog er nach Göttingen, wo er sich erneut habilitierte. Er wirkte dort ohne großen Nachhall bis 1830 als Privatdozent der Philosophie. Schüler von ihm waren in die Studenten und Bürgerunruhen von 1830/31 verwickelt. Krause wurde bei der nachfolgenden Aufklärung der Vorgänge des Sympathisantentums bezichtigt. Eine Freistellung von der Strafverfolgung wurde ihm unter der Bedingung zugesichert, dass er Göttingen verließe. Er ging daraufhin nach München, wo er am 27. Dezember 1832 starb.

Seine Philosophie ist bis heute im Vergleich zu der von Fichte, Schelling und Hegel kaum rezipiert worden. Dennoch gehört Krause neben den drei genannten Autoren unverzichtbar zum Kern des Deutschen Idealismus.

Der Stuttgarter Verlag FrommannHolzboog, der sich unschätzbare Verdienste um die Edition der Texte des Deutschen Idealismus erworben hat, hat mit einer Ausgabe „Karl Christian Friedrich Krause. Ausgewählte Schriften“ begonnen. Als Herausgeber zeich¬nen Enrique M. Urena und Erich Fuchs. In erster Linie wird die Ausgabe die Texte enthalten, die zu Lebzeiten von Krause selbst veröffentlicht wurden; darunter insbesondere diejenigen, die entweder seine Philosophie begründen, die zu den für Krause wichtigsten Einzeldisziplinen gehören oder die einen größeren Einfluss in und außerhalb Deutschlands ausgeübt haben.

Geplant sind folgende sechs Bände:

Band I. Entwurf des Systems der Philosophie. Erste Abteilung.
Band II: Philosophischfreimaurerische Schriften (18081832)
Band III. Vermischte Schriften
Band IV: Rechtsphilosophische und politische Schriften
Band V: Das Urbild der Menschheit. Ein Versuch.
Band VI: System der Philosophie


Krause hat insgesamt 256 Texte veröffentlicht (Band I enthält ein Publikationsverzeichnis mit Anspruch auf Vollständigkeit).
Die Bände I und VI enthalten zwei Schriften über das „System der Philosophie“, die am Anfang (einer Phase größerer Abhängigkeit Krauses von Schelling) und am Ende von Krauses Publikationstätigkeit erschienen sind (1802 und 1804). Krause hatte schon vor 1804 zwei Schriften veröffentlicht: die Grundlage des Naturrechts und den Grundriss der historischen Logik, veröffentlicht; nach 1828 publizierte er noch die Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft (1829). Band II nimmt verschiedene freimaurerische Schriften auf (darunter ein bis jetzt unediertes Manuskript), die alle in Verbindung zu einem seiner wichtigsten Werke, dem Urbild der Menschheit, stehen (Band V). Dieses, Krauses einflussreichstes Werk verbindet am deutlichsten Krauses rein theoretische Schriften mit allen Zweigen seiner praktischen Philosophie. Band III versammelt ausgewählte Schriften aus einzelnen, theoretischen und praktischen Wissenschaftszweigen, die für das Ganze des Krauseschen Werks aus unterschiedlichen Gründen relevant sind und etwa die Religions und Geschichtsphilosophie, Pädagogik oder Ästhetik betreffen. Band IV beinhaltet unter anderem Krauses 1814 in den Deutschen Blättern veröffentlichten „Entwurf eines europäischen Staatenbundes“.

Dass Krause kaum rezipiert worden ist, erklären die Herausgeber unter anderem mit der „Hispanisierung“ seiner Philosophie. Im 19. Jahrhundert wurden seine Schriften ins Spanische übersetzt, allerdings nicht wortgetreu, sondern an die spanischen Verhältnisse angepasst. Die spanischen Professoren ihrerseits, die Krause rezipierten, kannten den Deutschen Idealismus kaum, und was aus Spanien nach Deutschland als Philosophie Krauses zurückkam, verhinderte eine eingehendere Beschäftigung mit dessen Philosophie. Zwischen den deutschen und den spanischen Krauseanern bestand aber zwischen 1844 und 1904 eine ununterbrochene und beeindruckende Korrespondenz, die bislang unbekannt war.
Krauses Philosophie war, wie die Herausgeber ausführen, von Anfang an von ihrem Wesen her auf praktische Wirkung ausgerichtet. Der analytische Teil des Systems, Krauses eigentümlicher Zugang zum Real und Erkenntnisprinzip alles Seienden („Wesen“ oder „Gott“) war für Krause zugleich theoretische Übung und praktischer Weg zum vollkommenen Menschsein. Er glaubte, die die „Wesen„ oder „Gottschauung“ erfahrenden Menschen würden ihr eigenes Leben „reinmenschlich“ leben, ebenso die in größerer Komplexität organisierten „Bünde“ (Familie bis hin zum Menschheitsbund). Zum „Wesen“, zu Gott, kommt der Mensch in der Wesenschauung durch die Vernunft, aber auch durch die Vernunft sieht man, dass die Wesenschauung eine helfende Wirkung Gottes ist, durch die auch das Gefühl, das Herz, erwärmt wird.

Krause übte großen Einfluss auf die Pädagogik Fröbels (17741843) aus, anfangs durch seine persönliche Beziehung zu ihm und nach Fröbels Tod durch die zu seinen Schülern. Auch veranstalteten die Krauseaner Philosophenkongresse, 1868 in Prag und 1869 in Frankfurt a.M. Auch der 1861 gegründete „Verein deutscher Freimaurer“ wurde im Geiste von Krauses menschheitlichen Ideen ins Leben gerufen.

Die größte Wirkung hatte Krause jedoch in Spanien. Im Sommer 1843 kam der Spanier Julián Sanz del Río nach Heidelberg, um Philosophie zu studieren. Ein Jahr später kehrte er zurück mit dem festen Vorsatz, Krauses Philosophie mit seiner liberalen Gesellschafts und Staatslehre und seine auf die Erziehung des Menschen als Menschen abzielende Pädagogik zur Grundlage der gei¬stigen Modernisierung Spaniens zu machen. Zu dieser Zeit sehnten sich viele katholische spanische Intellektuelle nach einer Befreiung von vorgeschriebenen Dogmen und Praktiken. Krauses Philosophie entsprach diesem Verlangen, und die spanischen Krausisten erzielten eine beeindruckende öffentliche Wirkung. Sie lieferten der spanischen Revolution vom September 1868 die ideologische Orientierung und besetzten mehrere wichtige Posten in der Regierung.

Als Band I der Ausgabe ist erschienen:
Entwurf des Systems der Philosophie. Erste Abtheilung enthaltend die allgemeine Philosophie, nebst einer Anleitung zur Naturphilosophie. Jena und Leipzig 1804. Herausgegeben und eingeleitet von Thomas Bach und Olaf Breidbach. LXXXVII. 188 S., Ln., einzeln € 198.—, bei Gesamtabnahme € 178.—, 2007, FrommannHolzboog, Stuttgart

Der zweite Teil dieses Entwurfs ist nie erschienen. Das Titelblatt zeigt auch, wie die Herausgeber anführen, dass Krause nicht die Absicht hatte, die Naturphilosophie als selbständige Wissenschaft, sondern nur als Teil eines umfassenden Systems auszuarbeiten. Der Text selber ist als Handbuch zu Krauses Vorlesungen konzipiert. Krause hatte diese Vorlesung genau in dem Moment angekündigt, als Schelling, der die Naturphilosophie thematisiert hatte, Jena verließ. Dieses thematische Feld war nun in Jena offen, und Krause nutzte dies, um ausgehend von dessen naturphilosophischem Ansatz seine eigenständige Systemdarstellung einer deduktiv verfahrenden Naturphilosophie vorzustellen.

Naturwissen ist Krause zufolge nicht empirisch zu gewinnen, vielmehr sind die philosophischen Prämissen aufzuzeigen, von denen ausgehend mögliche Erfahrungen zu erfassen und als Bestandteile eines Naturwissens einzuordnen sind. Anders als Schelling geht Krause dabei von einer in sich bestimmten Axiomatik aus, von der mögliche Urteile über die Natur zu deduzieren sind. Diese deduzierten Aussagen über die Natur sind dann, wenn die Deduktion schlüssig ist, in sich bestimmt und vor und über jede Erfahrung gültig. Die „Idee der echten wissenschaftlichen Methode“, zu der Krause die „Deduction, Intuition und Construction“ zählt, kann daher apriorisch bestimmt werden. Die beiden von Krause eingeführten Teile der Naturphilosophie handeln explizit von der „Deduction der Natur“ bzw. der „Anleitung zur Construction der Natur“. Sie werden von einem Axiom deduziert und nicht einfach als Hypothese einer möglichen Konstruktion verstanden, Darin unterscheidet sich Krause prinzipiell von Schelling. So schreibt er, Schelling sei „unter anderem wohl auch durch seine frühere Geringschätzung der Mathematik und der formalen Logik“, daran gehindert worden, die Grundlehren der praktischen Philosophie zu entwickeln, „indem er das Wesentliche dieser noch unvollkommen gestalteten Wissenschaften verkannte“.

Laut den Herausgebern unterscheidet sich Krause von Schelling vor allem dadurch, dass er nicht die Natur mit ihren in den einzelnen Wissenschaften oder anderen Erfahrungsgefügen gesicherten Phänomenen als Ausgangspunkt für seine Natur¬philosophie wählt. Die Naturphilosophie ist für Krause auch kein für sich autonomer Teil, sondern nur ein „Nebentheil der Philosophie der Vernunft oder des Geistes“. Ausgangspunkt von Schellings Naturphilosophie ist ein zwar aus einem obersten Axiom abgeleiteter Begriff von Natur, der dann aber doch ganz nach Schellingschen Prinzipien interpretiert wird und nach diesen Prinzipien in eine Hierarchie von Bestimmungsschritten zu strukturieren ist. Krause steht in der Nachfolge Schellings, aber er löst dessen Naturphilosophie aus ihrem dialogischen Kontext mit den Naturwissenschaften heraus und verabsolutiert seine Naturphilosophie im Kontext seiner Wissenschaftslehre. Er autonomisiert die Naturphilosophie von der Naturforschung und begreift sie als eine in und für sich stehende Disziplin, die sich im weiteren weder auf die neueren Erkenntnisse der Naturforschung noch auf die Natur selbst, sondern eben nur auf die in der Naturphilosophie selbst schon gewonnenen Prinzipien zu beziehen hat. Naturphilosophie ist für Krause damit die Explikation der Idee als Idee. Sie besteht in der Darlegung der Ableitungsschritte, aus denen sich in der Natur die ihr grundlegende Idee entfaltet, womit dann die Idee in ihrer Strukturiertheit begriffen und damit Natur als Natur erfasst wäre.

FRÜHNEUZEIT

Franciscus Sanchez

Der frühneuzeitliche Arzt und Philosoph Franciscus Sanchez (15511623), genannt der Skeptiker, gilt heute als eine Randfigur in der Geschichte der Philosophie. Das war aber nicht immer so. Bis ins 17. Jahrhundert galt Sanchez als bedeutender Philosoph. Danach verblasste sein Ruhm jedoch gänzlich. Mit dem Verschwinden des spätscholastischen Aristotelismus im Verlauf des 17. Jahrhunderts war Sanchez sein wichtigster Gegner abhanden gekommen.
Seinen Ruf als Skeptiker verdankt Sanchez einer Schrift, die nun erstmals ins Deutsche übertragen worden ist:

Franciscus Sanchez: Quod nihil scitur. Dass nichts gewusst wird. Zweisprachige Ausgabe. Einleitung und Anmerkungen von Kaspar Howald, Übersetzung, vom Damian Caluori und Kaspar Howald, lateinischer Text von Sergei Mariev, 322 S., € 78.—, 2007, Philosophische Bibliothek Band 586, Felix Meiner, Hamburg

Die Schrift entstand in einer Zeit, als die Universität noch in den Händen der spätscholastischen Philosophen war, die sich aber zunehmend mit Herausforderungen verschiedener Art konfrontiert sahen. Insbesondere waren es die Humanisten, die die traditionellen Lehrgänge durch ein neues Bildungsprogramm zu ersetzen suchten. Auf den verschiedensten Gebieten der Wissenschaften wurden Entdeckungen gemacht, die mit den traditionellen Lehren der Scholastiker schwer in Einklang zu bringen waren. Und schließlich führte die Auseinandersetzung mit den Quellen der antiken Skepsis zu einer Erschütterung des Glaubens an die menschliche Erkenntnisfähigkeit. Sanchez’ Leistung besteht darin, dass er seine skeptische Sichtweise in direkter Auseinandersetzung mit den Lehren der spätscholastischen Aristoteliker entwickelt (was aber andererseits die heutige Lektüre wiederum schwierig macht). Dabei richtet er immer wieder den Blick auf Schwachstellen, Spannungen oder gar Widersprüche innerhalb der Positionen seiner dogmatischen Gegner.

Allerdings könnte der Titel der Schrift, „dass nichts gewusst wird“, Anlass zu einem Missverständnis geben. Sanchez meint damit nicht die dogmatische Behauptung, es werde nichts gewusst, vielmehr will er gleich zu Beginn den Selbstwiderspruch, dem der dog¬matische Skeptizismus ausgesetzt ist, vermeiden. Es handelt sich bei dem Satz um das Eingeständnis, der eigenen Unwissenheit, das seinerseits wiederum dem Zweifel ausgesetzt ist.
Eine stilistische Eigenheit des Buches besteht darin, dass Sanchez sich in beinahe jedem Abschnitt an einen imaginären Gesprächspartner wendet (einem sog. fictus interlocutor). Sanchez legt diesem auch Entgegnungen in den Mund, die er seinerseits wieder beantwortet. Meist ist dieser fictus interlocutor der Vertreter eines orthodoxen Aristotelismus scholastischer Prägung, doch nimmt er auch platonische Positionen ein. Das Buch rückt damit in die Nähe eines Dialogs, denn die Einbeziehung des fictus interlocutor ermöglicht esSanchez, seine skeptische Sicht in der Aus¬ein¬andersetzung mit einem philosophisch gebildeten, dogmatisch geprägten Gesprächspartner dialogisch zu entwickeln. Zu diesem Zweck geht er von den Lehrmeinungen seines Gesprächspartners aus und versucht zu zeigen, dass dessen Überzeugungen in sich widersprüchlich sind oder dass sich aus ihnen skeptische Folgerungen ergeben.
Explizit ausgenommen wird dabei die Frage nach der Möglichkeit ethischen Wissens – damit nimmt Sanchez eine singuläre Stellung im Skeptizismus der Renaissance ein. Weiter ausgenommen von jedem Zweifel ist das ganze Gebiet der christlichen Offenbarung und des Glaubens.
Einige Interpreten sahen in dieser Schrift kein Manifest eines eigentlichen Skeptizismus. Sie glaubten vielmehr, Sanchez beabsichtige lediglich zu zeigen, dass ein wissenschaftliches Wissen im Sinn der aristotelischen Scholastiker nicht zu erreichen sei. Der Herausgeber Kaspar Howald folgt dieser Interpretation nicht. Anders als Descartes, bei dem die Rückwendung auf sich die Überwindung des Zweifels zur Folge hat, verharrt Sanchez im Zweifel. Er beendet die Schilderung seiner wachsenden Enttäuschung bezüglich des Wissens mit den Worten: „Ich hob alle Prinzipien auf bis auf die letzten. Von da her beginne ich meine Untersuchung und je mehr ich denke, um so mehr zweifle ich. Nichts kann ich vollkommen erfassen. Ich lasse die Hoffnung fahren.“

SCHELLING

Die Datenbank der SchellingKommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Archive sind staubig und grau. Foucault hat bekanntlich aus diesen Umständen die Tugenden des Archivars abgeleitet; doch dürften es durchaus viele begrüßen, die beruflich mit Archivalien befasst sind, wenn sie sich eine digitale Version des gerade benötigten Dokumentes per Mausklick auf den Bildschirm holen können. Das erspart nicht nur den Abstieg in den Keller, sondern oft auch mühsames Suchen in Karteikästen oder umständliches Kurbeln am MikrofilmLesege¬rät.

Wer sich an die Digitalisierung eigener Bestände macht, muss zunächst einige technische und strukturelle Fragen klären – Überlegungen, die im besten Falle sogar zu neuen inhaltlichen Erkenntnissen führen können. Ist erst einmal eine Lösung zur Anfertigung qualitativ zufriedenstellender Scans gefunden, stellt sich die Frage, wohin mit den großen Datenmengen? Die nunmehr digitalen Dokumente wollen nicht nur sicher gespeichert, sondern sollen auch sinnvoll erschlossen werden. Die SchellingKommission setzt zu diesem Zweck das Datenbanksystem FAUST der Firma Doris Land Software ein.

Eine der Aufgaben der Kommission besteht in der Sammlung aller relevanter Texte und Dokumente, die auf Schellings Leben oder Wirken Bezug haben. Die umfangreiche Fachbibliothek umfasst verschiedene Ausgaben sämtlicher veröffentlichter Werke Schellings, unveröffentlichte Manuskripte und Dokumente, den Briefwechsel Schellings und anderes. Diese Bestände, die häufig als PapierKopie, Fotoabzug oder auf Mikrofilm
vorliegen, wurden schon früh mit Hilfe einer Datenbank erschlossen. Da hier über die kommissionseigene Bibliothek hinaus kontinuierlich auch alle übrigen Publikationen zu Schelling aufgenommen wurden, entstand nach und nach eine themenbezogene Literaturdatenbank, die für die SchellingFor¬schung heute unentbehrlich geworden ist. Mit FAUST, dessen Anschaffung von der Akademie gefördert wurde, eröffnen sich Möglichkeiten, die mit denen eines Zettelkastens in keiner Weise mehr zu vergleichen sind.

FAUST im Intranet

Da die Datenbank zentral auf den Servern des LRZ liegt, ist sie über das Münchner Wissenschaftsnetz an jedem Arbeitsplatz innerhalb der Akademie verfügbar und dank eines ausreichenden Kontingents an ArbeitsplatzLizenzen für alle Mitarbeiter der Kommission gleichzeitig nutzbar. Auch von unterwegs, etwa bei der Recherche in Archiven oder vom Rechner zu Hause, kann jeder Mitarbeiter mit der Datenbank
arbeiten.

Bereitstellung im Internet

Durch den sog. FAUST iServer lassen sich die Inhalte der Datenbank direkt im Internet veröffentlichen und werden so über die Arbeitsgruppe hinaus einem größeren Publikum zugänglich. Prinzipiell kann die Datenbank allen InternetUsern für die Recherche zur Verfügung gestellt werden, doch zur Zeit wird der Zugang durch die Vergabe von Kennungen und Passwörtern, die auf Anfrage zugeteilt werden, geregelt. Der FAUST iServer bietet mit diesem Verfahren die Option einer gezielten Auswahl bestimmter Inhalte für spezifizierte Benutzergruppen. Es ist also sowohl möglich, auf unkomplizierte Weise ausgesuchten Forschern spezielle Daten zur Verfügung zu stellen, als auch bestimmte Texte, etwa aus dem Nachlass Schellings, für die breite Öffentlichkeit via Internet zugänglich zu machen.

Durch FAUST ist es möglich, innerhalb eines einzigen Systems alle Informationen, die für die editorische Arbeit relevant sind, zu sammeln sowie digitale Dokumente und Bilder zu verwalten und durch ausgefeilte RechercheMöglichkeiten optimal zu erschließen. Jeder Datensatz gibt Aufschluss darüber, ob sich ein Titel in der kommis¬sionseigenen Bibliothek befindet bzw. über welche andere Bibliothek er ausleihbar ist. Die Möglichkeit, Ausgabeformate sehr genau abzustimmen, leistet bei der Erstellung der Bibliographie für einen WerkeBand wertvolle Dienste.

Der optimale Arbeitsablauf einer Literatur Recherche mittels FAUST sieht etwa wie folgt aus: Der Editor recherchiert in der Suchmaske den gewünschten Titel und sieht sofort, wie und wo er verfügbar ist. Nach der Auswertung wird der entsprechende Datensatz gegebenenfalls ergänzt und mit dem Hinweis versehen, zu welchem Zweck und mit welchem Erfolg er ausgewertet wurde. Am Ende eines Projekts kann FAUST dann auf Knopfdruck die Bibliographie mit allen für dieses Projekt verwendeten Titeln in der richtigen Formatierung ausgeben.

Da es gelegentlich zu Fragen hinsichtlich der Richtigkeit bibliographischer Angaben kom¬men kann, bewährt sich auch die Einbindung digitaler Dokumente in die Literaturdatenbank. So kann etwa ein in den Datensatz aufgenommener Scan der Titelseite eines Buches die Überprüfung der bibliographischen Angaben gerade bei schwer zugänglichen Titeln erheblich vereinfachen.

Verwaltung digitaler Dokumente

Doch hiermit beginnen erst die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten, die durch die Fähigkeiten von FAUST zur Verwaltung digitaler Dokumente gegeben sind. Vor allem das eingangs angesprochene Problem der Erschließung digitaler Bestände ließ sich hier mit in der SchellingKommission leicht lösen. Es war lediglich erforderlich, die bereits bestehenden Datenbanken um die entsprechenden Felder zu erweitern. Digitale Dokumente umfassen sowohl einfache Textdateien (z. Bsp. WordDateien), Bilder in unter schiedlichen Formaten, PDFDateien, aber auch Internetseiten. Alle Internetseiten, Textdateien sowie Scans, die mit der FAUSTeigenen Texterkennung behandelt wurden, können auch in die Volltextsuche des Programms einbezogen werden.
Alle erdenklichen Arten von Informationen lassen sich so in unserer FAUSTDatenbank zusammenfassen. Bei der Edition der Brief Ausgabe etwa, einer der diffizilsten editori schen Ausgaben, ist es zukünftig von großem Vorteil, dass der Datensatz zu jedem Brief sowohl ein Scan der Handschrift als auch eine Verknüpfung zu der Textdatei mit der Transkription enthält.

Zur Vorbereitung der Edition von Schellings Vorlesungen zur Philosophie der Kunst wurde jüngst den bereits bestehenden Datenbanken eine weitere hinzugefügt: Alle Kunstwerke, die bei Schelling Erwähnung finden, sind hier mit den wichtigsten zugehörigen Informationen und – soweit verfügbar – einer Abbildung des Werks erfasst sowie mit den entsprechenden Zitaten Schellings verknüpft. Mit diesem Hilfsmittel gestalten sich Recherchen zur Kunstphilosophie, der in Schellings Denken ein bedeutender Platz reserviert war, besonders anschaulich
Alois Wieshuber (Erstveröffentlichung: Akademie Aktuell)




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