header


  

EDITIONEN

EDITIONEN Druckversion  |  Schrift: vergrößern verkleinern 

Platon: Minos

PLATON

Minos


In der Reihe „Platon Werke. Übersetzung und Kommentar“ ist ein Band über den Dialog Minos erschienen:

Platon: Minos. Übersetzung und Kommentar von Joachim Dalfen. 190 S., Ln., € 59.90, 2009, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen

Das überrascht: Platon hat selber keinen solchen Dialog geschrieben. Der Dialog ist nicht nur unecht, auch seine literarische Qualität ist nicht sehr groß. Zudem ist er sehr kurz, seine deutsche Übersetzung beinhaltet ganze elf Seiten, die restlichen 180 Seiten des Buches beinhalten Einleitung, Kommentar und Register. Es sind deshalb in erster Linie AntikeSpezialisten, die sich mit diesem Band auseinandersetzen werden und da fragt es sich, warum denn der griechische Originaltext fehlt.
In der Antike hat man den Minos als echtes Werk Platons gesehen. Als erster hat 1806 A. Boeck ihn für unecht erklärt und dies gilt heute als gesichert. Dalfen hat sich nun die Mühe gemacht, diesen Dialog zum einen mit den anderen unechten, zum anderen mit den echten genauer zu vergleichen. Das Resultat: Der Dialog zeigt große Gemeinsamkeiten mit den anderen unechten Dialogen wie mit den Frühschriften Platons und dem Gorgias, so dass gleichsam ein genetischer Zusammenhang angenommen werden muss. So ist der Minos reich an Gesprächsformeln und Wendungen, wie sie sich wörtlich in Platons Frühschriften finden, etwa „also schau her…“ oder „betrachten wir es auch auf diese Weise“. Und wie in den echten Dialogen lässt Sokrates einen fiktiven Gesprächspartner auftreten, der an die Dialogpersonen Fragen der Art stellt: „wenn jemand fragte… würden wir ihm wohl antworten.“

Aber es zeigen sich auch Unterschiede. Das Geschehen läuft schnell ab, so schnell, dass manchmal die innere Konsequenz fehlt. Auch zeigen sich Schwächen in der Argumentation sowohl im Ablauf als auch in der Stringenz, was zu Recht als Indizien für die Unechtheit gewertet wurde. Auch finden sich die aus Platons Dialogen bekannten Analogien mit Handwerkern und Künstlern, allerdings in ermüdender Zahl. Man hat dieses Überschießen platonischer Elemente ebenfalls als Zeichen der Unechtheit gedeutet.

Dalfen kommt zu dem Schluss, dass die unechten Dialoge Arbeiten der ersten Schüler Platons und aus ihrer Zusammenarbeit mit dem Lehrer entstanden sind. Möglicherweise hat er ihnen seine frühen Dialoge zum Lesen gegeben und als eine Art von Seminararbeit selber Dialoge schreiben lassen.


Bestellen Sie das Einzelheft oder abonnieren Sie die Zeitschrift.




© Information Philosophie     Impressum     Kontakt