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06.07.2017 Druckversion  |  Schrift: vergrößern verkleinern 

Promotionsstipendien "Agrarethik"

Am Philosophischen Seminar, Lehrstuhl für Philosophie und Ethik der Umwelt (Leitung: Prof. Dr. K. Ott) der CAU Kiel sind im Rahmen des Promotionsschwerpunktes


„Ein Dritter Weg zur Ernährung der Einen Welt
Ethische Perspektiven“


des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst drei
Promotionsstipendien
zu vergeben.
Wir laden Studierende höherer Semester sowie Graduierte, die die formalen Voraussetzungen für ein Promotionsstipendium (s.u.) erfüllen und sich thematisch für eine Promotion zum Thema „Ein Dritter Weg zur Ernährung der Einen Welt – Ethische Perspektiven“ interessieren, ein, sich mit uns in Verbindung zu setzten. Sie können uns eine ausgearbeitete Promotionsskizze zusenden. Wir bieten aber auch an, Sie bei der Ausarbeitung eines Promotionsvorhabens zu unterstützen.
Das Evangelische Studienwerk ist das Begabtenförderungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland. Derzeit fördert das Evangelische Studienwerk fast 1.200 Studierende und rund 200 Promovierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium von derzeit 1350€, eine Forschungspauschale von 100€ und Zugang zu einem umfassenden Bildungsprogramm.
Stipendien werden zunächst für 2 Jahre vergeben. Eine zweimalige Verlängerung um je ein Semester ist in begründeten Fällen möglich.
Eine Bewerbung beim Evangelischen Studienwerk ist zweimal im Jahr (zum 1. Juni sowie zum 1. Dezember) möglich. Wir ermutigen Sie jedoch ausdrücklich, sich vor Einreichung einer Promotionsskizze zunächst mit uns in Verbindung zu setzten.
Ansprechpartner
Dr. L. Voget-Kleschin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Philosophie und Ethik der Umwelt der CAU Kiel
voget-kleschin@philsem.uni-kiel.de
Prof. Dr. K. Ott, Lehrstuhl für Philosophie und Ethik der Umwelt der CAU Kiel
ott@philsem.uni-kiel.de
Ein dritter Weg zur Ernährung der Einen Welt
Bestehende und absehbare Verknappungen an Agrarrohstoffen weltweit haben die Diskussion über unterschiedliche Strategien zur Sicherung der Welternährung angeheizt. Das moralische Ziel, Hunger, Mangel- und Unterernährung weltweit zu verringern und idealiter zu beseitigen, steht dabei außer Frage; streitig sind Mittel und Wege. Vor diesem Hintergrund fragt der vorgeschlagene Promotionsschwerpunkt nach Möglichkeiten eines so genannten Dritten Weges.
Ein solcher Dritter Weg unterscheidet sich einerseits von der Bewegung des ökologischen Landbaus. Dieser nimmt für sich in Anspruch, durch den Verzicht auf gentechnische Ansätze, chemischen Pflanzenschutz und den Einsatz von Mineraldünger öffentliche Güter wie Wasser, Biodiversität und Klimaschutz bereitstellen zu können. Nach derzeitigem Stand des Wissens trifft dies jedoch nicht uneingeschränkt zu. Vielmehr steigt erstens die Belastung der Emissionen je Produkteinheit (z. B. je Tonne Brotweizen) und Bodenpunkt mit zunehmender Bodengüte an, d.h. die Ökoeffizienz nimmt ab. Zweitens wird für die Erzeugung einer Produkteinheit im Vergleich zu konventionellen Erzeugungsmethoden erheblich mehr Fläche benötigt. Dies hat zur Folge, dass die Bedrohung naturnaher Ökosysteme zunimmt. Im Unterschied zum ökologischen Anbau fragen Vertreter eines Dritten Weges danach, wie Produkte möglichst öko-effizient erzeugt werden können.
Der dritte Weg grenzt sich andererseits von einer „wachse-oder-weiche“-Perspektive auf Landwirtschaft ab, die darauf abzielt, mittels innovativer Technologien die Produktivität auf bestehenden landwirtschaftlichen Nutzflächen zu steigern, ohne die ökologischen und sozialen Auswirkungen einer solchen Produktivitätssteigerung ausreichend mitzudenken. Im Unterschied zu dieser Herangehensweise fordern Vertreter eines Dritten Weges die Implementierung eines politischen und institutionellen Rahmens, der öko-effiziente Produktionssteigerungen in Entwicklungsländern ermöglicht und gleichzeitig den Zugang zu den Weltagrarmärkten sicherstellt.
Das im Promotionsschwerpunkt zugrunde gelegte Verständnis eines Dritten Weges umfasst die agrarökologische, agrarpolitische und agrarethische Perspektive:
 Aus agrarethischer Perspektive wird untersucht, ob und in wieweit Vorschläge für einen dritten Weg erstens legitim und zweitens wünschenswert sind.
 Aus agrarökologischer Perspektive wird untersucht, wie in ausgewählten armen Ländern die landwirtschaftliche Produktion so gesteigert werden kann, dass dabei gleichzeitig negative Umwelteffekte reduziert werden.
 Aus agrarpolitischer und –ökonomischer Perspektive wird untersucht, wie bestehende Institutionen in Industrie- und Entwicklungsländern so reformiert werden können, dass ein dritter Weg möglich wird.
Wir freuen uns auf agrarethische Promotionsvorhaben zu
 Begründungsfragen eines dritten Weges, d.h. Vorhaben die sich damit beschäftigen, wie für einen solchen dritten Weg zentrale Konzepte (z.B. das Menschenrecht auf Nahrung) begründet werden können
 Verteilungsfragen eines dritten Weges, d.h. Vorhaben die Verteilungsfragen von für einen dritten Weg wichtigen Gütern, wie etwa Wasserressourcen oder Landrechten adressieren
 Fragen der Ernährungskultur, d.h. Vorhaben die sich damit beschäftigen, ob und wenn ja welche Bedeutung die Idee eines dritten Weges für Ernährung und Ernährungsstile hat.
Wir laden einerseits solche Bewerber*innen ein, die ein eigenes Promotionsthema für den Teilbereich Ethik des Promotionsschwerpunktes „Ein Dritter Weg zur Ernährung der Einen Welt“ ausgearbeitet haben oder mit unserer Unterstützung ausarbeiten möchten.
Wir bieten auch an, existierende Themenvorschläge zu bearbeiten. Im Folgenden sind drei solche Themenvorschläge skizziert:
 Bewässerungslandwirtschaft und gerechte Verteilung knapper Wasserressourcen: Weltweit werden 70% des Oberflächen- und Grundwassers für die Landwirtschaft verwendet. Dabei ergeben sich trade offs sowohl zwischen Nutzern im Ober- und Unterlauf von Fließgewässern, als auch zwischen der Verwendung von Wasser für die landwirtschaftliche Produktion auf der einen Seite, sowie dem spirituellen, ästhetischen,
Erholungswert sowie Naturschutzbelangen auf der anderen Seite. Am Beispiel von Nutzungskonflikten können agrar- und umweltethische sowie nachhaltigkeitstheoretische Argumente untersucht werden.
 Menschenrecht auf Nahrung: Traditionell wird das Menschenrecht auf Nahrung als Forderung nach Ernährungssicherheit (food security) verstanden. In bestimmten NGO-Kreisen wird dieses Menschenrecht im Sinne von Ernährungssouveränität interpretiert. Diese beiden Interpretationen können aus ethischer Perspektive verglichen werden. Es kann untersucht werden, inwiefern hierbei unterschiedliche Begründungen materieller Teilhaberechte herangezogen werden können. Darauf aufbauend können die politisch-praktischen Implikationen der jeweiligen Interpretationen untersucht werden.
 Deliberative Demokratie und Ernährungskultur: Üblicherweise wird in der Ethik zwischen Fragen der Moral und Fragen des guten Lebens unterschieden. Diese Unterscheidung konstituiert allerdings Grenzfälle. Das Thema Ernährung zählt zu diesen Grenzfällen, da Ernährung einerseits eine persönliche Angelegenheit ist, zum anderen aber Ernährungsstile große Auswirkungen auf Tierhaltung und Umwelt haben. Eine Promotion könnte aus demokratietheoretischer Perspektive untersuchen, ob und inwieweit ernährungsethische Konzepte Eingang in politische Deliberationen finden können. Im Rahmen einer solchen Untersuchung könnten Ernährungsdiskurse vergleichend für Länder aus dem globalen Norden und dem globalen Süden rekonstruiert werden.
Formale Voraussetzungen
Für die Bewerbung gelten die folgenden formalen Voraussetzungen
 Zugehörigkeit zu einer evangelischen Kirche (in begründeten Fällen sind Ausnahmen möglich, vgl. https://www.evstudienwerk.de/bewerbung/promotion/faq.html)
 zügig absolviertes Studium
 überdurchschnittliche Studien- und Prüfungsleistungen (Abschlussnote mindestens »gut«, in Jura »vollbefriedigend«)
 Abschluss, der zur Promotion in Philosophie berechtigt
 Studierende mit einem ausländischen Abschluss können sich bewerben, wenn sie Deutschkenntnisse im Niveau B oder SDH2 vorweisen können sowie an einer Hochschule in der Bundesrepublik zur Promotion zugelassen sind.
Hat Sie diese Ausschreibung neugierig gemacht? Haben Sie eventuell Interesse an einer Promotion im Stipendienschwerpunkt, können sich aber noch nicht so recht vorstellen, wie eine Promotion im Bereich „Agrarethik“ aussehen könnte? Dann können Sie sich gern informell mit einer unserer Stipendiatinnen, Karin Kunde, in Verbindung setzen:
kunde@philsem.uni-kiel.de







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