Paul Richard Blum:
Kaum ein Handbuch zur Philosophie der Renaissance beginnt ohne eine apologetische
Vorbemerkung über den Sinn, sich mit ihr zu befassen. Denn die Renaissance ist die
Epoche, die in umfassenden Philosophiegeschichten - zwischen dem Ausgang der
mittelalterlichen Hochscholastik und der mit Descartes beginnenden Neuzeit - gerne mit
einigen Bemerkungen zur Wiederentdeckung der klassischen Antike und zu einigen
unsystematischen Denkversuchen mehr übergangen als behandelt wird. Das hat durchaus einen
faktischen Grund, denn wo - um bei den Institutionen anzufangen - kann man zumeist die
Renaissance studieren? Es sind die Romanistischen Seminare, die an der Epoche eines
Petrarca, Montaigne und Cervantes nicht vorbeigehen können. Für die Anglisten ist
Shakespeare der Höhepunkt der Renaissance. Auch die Germanistik pflegt seit langem die
deutsche (und lateinische) Literatur des Reforma-tionszeitalters.
Naturwissenschaftshistoriker interessieren sich für Kopernikus und Kepler. Die Theologie,
die protestantische mehr noch als die katholische, untersucht die Ge-schichte zwischen der
Spätscholastik und dem Konzil von Trient, während Historiker die Entstehung der
Nationalstaaten oder die Alltagskultur studieren. Für die Kunstgeschichte geht es um die
Epoche zwischen Giotto und Caravaggio. Positiv ausgedrückt: Renaissance ist ein
interdiziplinäres Thema.
Das einzige philosophische Institut in Deutschland, das sich nicht nur dem persönlichen
Interesse eines Professors, sondern dem Namen und der Aufgabe nach damit befaßt, ist das
"Institut für Philosophie und Geistesgeschichte der Renaissance" an der
Universität München, gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Heidegger-schüler
Ernesto Grassi, an dem jetzt die Professoren Stephan Otto (emeritus) und Eckhard Keßler
lehren. Es führt auch eine zum Thema in Deutschland einmalige Bibliothek.
Was von den Autoren und Themen der Re-naissance zur Philosophie zählt, ist durchaus
willkürlich. Die Bedeutung vieler Philosophen der Tradition wird - etwas holzschnittartig
formuliert - danach bemessen, welche Argumente sie zu Sachfragen vorbringen bzw. was man
von ihnen lernen kann. Autoren wie etwa Aristoteles, Thomas oder Hume eignen sich für
diese Art der Verwendung besser als die Denker der Renaissance. Bei diesen muß man die
vordergründig fremdartig anmutenden Aussagen als "Antworten" verstehen lernen,
zu denen die leitende "Frage" erst noch zu suchen ist.
Im weitesten Sinne rechnet man zur Renaissance die Zeit von ca. 1350 (Petrarca, Boccaccio,
die große Pest) bis ca. 1650 (Ende der Konfessionalisierung mit dem Dreißigjährigen
Krieg, Tod Descartes'). Binnendifferenzierungen sind nicht zu Ende diskutiert. Manche
ziehen die Epochenbezeichnung "Frühe Neuzeit" vor, die evtl. bis ins 18.
Jahrhundert gilt. Jedoch verschiebt sich mit dem Namen der Erkenntnisrahmen: "Frühe
Neuzeit" wird als Inkubationszeit der Moderne verstanden, während die Selbstbe-
zeichnung "Renaissance" ("Wiedergeburt") die Anknüpfung an die
Antike, die Abgrenzung vom Mittelalter und generell die eigenartige Neustrukturierung der
Kultur thematisiert.
In chronologischer Hinsicht beginnt die Philosophie der Renaissance mit Francesco
Petrarca (1304-1374). Dieser trat in Polemiken gegen die Universitätswissenschaftler für
die persönliche, moralische Relevanz des Wissens ein. So sagte Petrarca über die
Nikomachische Ethik Aristoteles', er sei durch deren Lektüre zwar "gelehrter, aber
nicht besser" geworden, und darauf käme es an. Er meinte damit zunächst, daß
Philosophie auf das Leben einwirken und es nicht nur beschreiben solle; zugleich aber
implizierte er, daß ein Text nur Wirkung haben kann, wenn die Sprache entsprechende Kraft
hat - eine Flut neuer Textausgaben und Übersetzungen der antiken Autoren im Humanismus
war die Folge. Die Fremdheit des Historischen und seine subjektive Aneignung wurden zur
philosophischen Herausforderung. Polemiken, Dialoge und vor allem Briefe waren bevorzugte
philosophische Medien: Coluccio Salutati, Leonardo Bruni, Lorenzo Valla seien als
Beispiele aus dem 14. und 15. Jahrhundert genannt. Die Texte führen die persönlichen,
emotionalen und politischen Kontexte mit sich und bieten sie der Interpretation an. Vor
allem wird in ihnen die Spätscholastik als Kontrastfolie mitgeliefert, wenn man sie
entsprechend liest. Ihr Programm war die Einheit von "agere et intelligere",
Handeln und Erkennen, festgeschrieben mit dem Schlagwort "studia humanitatis",
das nicht allein die sprachwissenschaftlichen Fächer meinte, sondern jede Wissenschaft
als menschliche Bildung. Es lebte im protestantischen Schulwesen fort und kam so ans
"Humanistische Gymnasium" des 19. Jahrhunderts.
Eine Anthologie mit lateinischen und italienischen Texten plus deutscher Übersetzung gibt
es nicht, und auch Einzeltexte der frühen Humanisten sind nur selten übersetzt. Ein
ernsthaftes Studium kommt ohnehin nicht ohne lateinische und italienische Texte aus.
Für Petrarca ist die Auswahl von Briefen, übersetzt von H. Nachod und P. Stern (Berlin
1931) immer noch ein guter Anfang, zumal er auch den berühmten Bericht über die
Berg-Besteigung (Familiares 4.1.) enthält, an dem sich das Syndrom von Naturbetrachtung,
Innerlichkeit und Literatur exemplifizieren läßt. Seine Moralphilosophie kann in der
zweisprachigen Auswahl aus De remdiis utriusque fortunae studiert werden. (1)
Eine hervorragende Übersetzung von Salutatis Vom Vorrang der Jurisprudenz oder der
Medizin hat P.M: Schenkel angefertigt. (2) In dieser Polemik manifestiert sich der
Wissenschafts- und Naturbegriff der Renaissance. Auch Leon Batista Alberti ist nicht nur
in seiner Ökonomik (Über das Hauswe-sen, Zürich 1962), sondern jetzt auch in der
politischen Satire Momus oder Vom Fürsten (3) lesbar. Der die Freiheits- und
Theo-dizeedebatte bis Leibniz und darüber hinaus auslösende Text von Lorenzo Valla Über
den freien Willen/ De libero arbitrio wurde von E. Keßler veröffentlicht. (4)
Wichtig wird vor allem Nikolaus von Kues, dessen Dialektik des Zusammenfalls der
Gegensätze vermittels Giordano Bruno Eingang in den Deutschen Idealismus gefunden. Statt
einer dogmatischen oder begriffsorientierten Theologie versucht der Cusaner die Grenzen
menschlichen Erkennens vom Begriff des absoluten unendlichen Gottes her zu denken, so daß
Denken als notwendig hypothetisch und paradox erscheint, was später
"dialektisch" heißen wird. Von Nikolaus von Kues erscheint eine
historisch-kritische Ausgabe seiner Werke. Sie wird durch die Heidelberger Akademie der
Wissenschaften herausgegeben und von Forschern in Trier (Cusanus-Institut) und Köln
(Thomas-Institut) u.a. betreut (Nicolai de Cusa Opera omnia, bisher ca. 30 Bände, Meiner,
Hamburg).
Eine praktische, aber nicht immer richtig übersetzte Sammlung ist die Ausgabe Die
philosophisch-theologischen Schriften (5). Ansonsten liest man einzelne Schriften, vor
allem die berühmte und für den Einstieg brauchbare Belehrte Unwissenheit (6) in
zweisprachigen Ausgaben der philosophi-schen Bibliothek.
Giordano Bruno ist zuletzt durch Hans Blumenbergs Legitimität der Neuzeit wieder populär
geworden, nachdem schon Ernst Cassirer ihm eine wichtige Rolle für Individuum und Kosmos
in der Renaissance zudachte. Das Bruno-Bild ist in den letzten dreißig Jahren durch die
Wiederentdeckung des Hermetismus (F.A. Yates) und die Reaktion durch genauere
Quellenforschung in Bewegung gekommen. Bruno ist nicht mehr nur der Märtyrer der
Geistesfreiheit, sondern auch ein Theoretiker der memoria, der Kreativität und der Krise
der Naturphilosophie unmittelbar vor der Schwelle zu Galilei und Descartes. Der
Zusammenhang zwischen Geistphilosophie und Kopernikanismus wird so deutlicher. Deshalb
sind die vorhandenen deutschen Übersetzungen sei-ner italienischen Schriften (7) nicht
immer auf dem neuesten Stand. Die kürzlich erschienenen Übersetzungen von lateinischen
Schriften ins Deutsche sind wenig zu empfehlen. Neue Werkausgaben erscheinen der-zeit in
Florenz (bisher ein Band, De umbris idearum, 1991) und Paris (lat. bzw. ital. und franz.,
seit 1993, bisher 7 Bde.).
Bekannt ist auch der sogenannte Florentiner Platonismus, vor allem wegen der lateinischen
Platonübersetzung des Marsilio Ficino (zuerst 1484), nach der bis zu Schleier-machers
Übersetzung Platon studiert wurde. Von hohem Interesse ist aber dessen Inter-pretation
des Neuplatonismus, aber auch seine Umsetzung des humanistischen Pro-gramms, eine Art
Anthropologie, wonach der Mensch als Leib-Seele Einheit völlig offen ist, die Welt zu
betrachten, zu er-forschen und sich in seinem Wesen selbst zu bestimmen. (8)
Das gilt auch für Giovanni Pico della Mirandola, der mit seiner Rede Über die Würde des
Menschen (9) die Öffentlichkeit zu einer Disputation über sämtliche gän-gigen Themen
der Philosophie und Theo-logie einladen wollte. Ernesto Grassi hat versucht, dieses Denken
mit der Existenzphilosophie in Verbindung zu bringen, wogegen z.B. Paul Oskar Kristeller
deutlich zwischen den philologischen Leistungen der Humanisten und den eng aufgefaßten
philosophischen Themen unterschieden hat.
Vorzugsweise im italienischen und im englischen Sprachraum wird die aristotelische
Tradition der Renaissance untersucht, in der die Wissenschaftstheorie (Logik, Dialektik)
zur Leitwissenschaft wird (Lorenzo Valla, Petrus Ramus und Jacopo Zabarella). Durch die
Betonung der theoretischen Disposition des jeweiligen Untersuchungsgebiets werden sowohl
das Ideal der Klarheit und der Unterscheidung von Geistigem und Körperlichem bei
Descartes, als auch die naturwissenschaftliche Methodologie vorbereitet. Dieser
Aristotelismus fand Eingang in die Jesuitenphilosophie des 16. Jahrhunderts und wirkte so
u.a. auf Galilei. Für Kenner der Philosophie des Aristoteles oder der Scholastik eignet
sich die Methoden-Schrift des Paduaners Jacopo Zabarella. (10) Jedoch sind Übersetzungen
des Ari-stotelismus in moderne Sprachen selten (aber Auszüge bei Otto, siehe unten) und
hätten wenig Sinn, da die Terminologie oft über Unterschiede entscheidet. Immerhin hat
R. Specht eine Disputation des berühmte-sten Jesuitenphilosophen, Francisco Sua-rez,
übersetzt und kommentiert. (11) Scho- lastik und Moderne verknüpft auch der
Seelen-Traktat des Pietro Pomponazzi. (12)
Folgenreich war die politische Literatur der Renaissance. Die vereinfachend gesagt
anthropozentrische Perspektive der Humanisten forderte zu Theorien der rationalen
Gestaltung des Gemeinwesens heraus. Da dies nicht ohne religiösen und wissen-schaftlichen
Kontext denkbar war, entstanden einerseits die für zynisch gehaltene Fürstenlehre des
Niccolò Machiavelli, andererseits die politischen Utopien eines Thomas Morus und eines
Tommaso Campanella, die in den politischen und religiösen Programmen der Neuzeit
nachwirk-ten. Die zahlreichen Ausgaben des Fürsten Machiavellis, der Utopie des Morus und
der Sonnenstadt Campanellas wurden nun ergänzt durch eine zweisprachige Ausgabe von
Philosophischen Gedichten Campanellas (13), deren Einleitung durch K. Flasch den Bogen zur
Naturphilosophie und Metaphysik dieses späten Renaissanceden-kers schlägt.
(1) Petrarca: De remdiis utriusque fortunae. Heilmittel gegen
Glück und Unglück. Zweisprachige Ausgabe in Auswahl. Herausgegeben von Eckhard
Kessler. Übersetzt und kommentiert von Rudolf Schottländer. 2. Auflage 1988, kt., DM
48.--, Humanistische Bibliothek Band II, W. Fink, München.
(2) Coluecio Salutati: Vom Vorrang der Jurisprudenz oder der Medizin.
Lateinisch-deutsche Ausgabe, übersetzt und kommen-tiert von Peter M. Schenkel,
eingeleitet von Ernesto Grassi und Eckhard Kessler, 426 S., kt., DM 88.--, Humanistische
Bibliothek II, 25, W. Fink, München.
(3) Leon Batista Alberti: Momus oder Vom Fürsten. Lat./Deutsch, übersetzt,
kommentiert und eingeleitet von Michaela Boenke 488 S., kt., DM 98.---, 1993,
Humanistische Bibliothek II, 29, W. Fink, München.
(4) Lorenzo Valla: Über den freien Willen/ De libero arbitrio. Lat./ deutsche
Ausgabe, herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Eckhard Kessler. 152S., kt., DM
19.80, 1987, Humanistische Bibliothek II, 16, W. Fink, München.
(5) Nikolaus von Kues. Studien- und Jubi-läumsausgabe, Lat.-Deutsch, übersetzt
von D. und W. Dupré, zusammen 2264 S., Ln., DM 400.--, 1989, Herder, Wien.
(6) Nikolaus von Kues: Belehrte Unwissen-heit. Lat.-Dt., Vorwort, Anmerkungen und
herausgegeben von Paul Wilpert und Hans G. Senger. Buch 1: III, 162 S., kt., DM 30.-Buch
2: VIII, 175 S., kt., DM 32.--, Buch 3: VIII, 236 S., kt., DM 36.--, Philoso-phische
Bibliothek Band 264 a-c, Felix Meiner, Hamburg.(7) Giordano Bruno: Das
Aschermitt-wochsmahl, übersetzt von F. Fellmann, Frankfurt, 1969.
-- Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. Einleitung von Werner Beierwaltes,
herausgegegeben von Paul R. Blum, 7., verb. Auflage, LXV, 20, 152 S., kt., DM 28.--, 1993,
Philosophische Bibliothek 21, Felix Meiner, Hamburg.
-- Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. Übersetzt von P. Rippel, 1986,
Reclam UB 5113, Reclam, Stuttgart.
-- Über das Unendliche, das Universum und die Welten. Übersetzt von C. Schultz,
250 S., kt., Reclam Universal Bibliothek 5114, DM 20.--, Reclam, Stuttgart.
(8) Marsilio Ficino: Traktate zur Plato-nischen Philosophie, lat./dt., übersetzt
von E. und P.R. Blum sowie Th. Leinkauf, 1993, Akademie-Verlag, Berlin;
-- Über die Liebe. Übersetzt von K.P. Hasse, herausgegeben von P.R. Blum, 3.,
verbesserte Auflage, XLIV, 411 S., kt., DM 48.--, 1994, Philosophische Bibliothek 368,
Felix Meiner, Hamburg.
(9) Giovanni Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen. Lat./dt. von N.
Baumgarten, herausgegeben von August Buck, kt., XXVII, 91 S., 1990, Philoso-phische
Bibliothek Band 427, Meiner, Hamburg
(10) Jacopo Zabarella: Über die Methoden /De methodis. Über den
Rückgang/De regresso. Einleitung, Übersetzung und kommentierte Fußnoten von Rudolf
Schicker. 340 S., kt., DM 68.--, 1995, W. Fink, München
(11) Francisco Suarez: Über die Individua-lität und das Individuationsprinzip. 5.
me-taphysische Disputation. 2 Bände. Herausgegeben, übersetzt und mit Erläuterungen
versehen von Rainer Specht. Teil A: Text und Übersetzung. LIV, 359 S., DM 48.--,
Philosophische Bibliothek 294a, Teil B: Anmerkungen, X, 402 S., kt., DM 72.-,
Philosophische Bibliothek 294b, Meiner, Hamburg.
(12) Pietro Pomponazzi: Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele. Lat./dt.,
übersetzt von B. Mojsisch, XXXIX, 269 S., kt., DM 38.--, 1996, Philosophische
Bib-liothek, Meiner, Hamburg.
(13) Tommasco Campanella: Philosophische Gedichte. Eine Auswahl. Lat./Dt.
Eingeleitet und herausgegeben von Kurt Flasch. Ln., DM 78.--, 1996, Klostermann,
Frankfurt.
Die wichtigste Buchreihe zur Renaissance-Philosophie in Deutschland ist
die "Humanistische Bibliothek" (Fink-Verlag), die am Münchener Institut für
Renaissancephilosophie betreut wird.
Hier sind wichtige lateinisch-deutsche Textausgaben sowie Studien erschienen (einige sind
oben genannt). Auch die von Stephan Otto herausgegebene Reihe "Die Geistesgeschichte
und ihre Methoden" (Fink-Verlag) enthält Arbeiten zur Renaissance.
Die für Philosophen wichtigste Fachzeitschrift dürfte Renaissance Quarterly von
der "Renaissance Society of America" sein. Neu ist die Zeitschrift für
Renaissancephilo- sophie Bruniana & Campanelliana (Rom). Die Renaissance
Mitteilungen des "Wolfen-bütteler Arbeitskreises für
RenaissanceForschung", vorwiegend eine Rezensionenzeitschrift, bietet nur selten
etwas zur Philosophie. Das "Institut zur Erforschung der frühen Neuzeit" in
Wien gibt ein Heft "Früh-Neuzeit-Info" heraus, das in seiner
umfangreichen Bibliographie die Philosophie stiefmütterlich behandelt. Wer über
Neuerscheinungen auf diesem Gebiet informiert sein will, sollte regelmäßig in Rivista
di storia della filosofia, Giornale critico di storia della filosofia und
Rinascimento nachsehen. Für Recherchen braucht man die Bibliographie d'Humanisme
et Renaissance und im Internet ITER:
http://iter.library.utoronto.ca
Aktuelle Renaissance-Themen werden im Internet auf den Listservern FICINO und Early
Modern-Renaissance diskutiert; Adressen findet man unter
http://www.gwdg.de/~hkuhn1/pagehist.html (eine "Internetographie" zu
Geisteswissenschaften), oder zu erfragen bei Heinrich C. Kuhn, e-mail:
hck@IPP-GARCHING.MPG.DE.
In deutscher Sprache kann man derzeit die folgenden Einführungen empfehlen:
Stephan, Otto: Renaissance und frühe Neuzeit, kt., DM 19.--, 1984, Reclam
Universalbibliothek 9913, Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung 3, Reclam,
Stuttgart (mit Textauszügen zu den Themenkreisen Sprache und Geschichte, Geistbegriff und
Metaphysik, Philosophische Anthropologie, Ethik und Politik, Wissen-schaftliche Methode
und Wissenschaftsverständnis)
Hanna-Barbara Gerl: Einführung in die Philosophie der Renaissance, 220 S., kt., DM
39.80, 1989, 2. Auflage 1995, Wissen-schaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt (mit starker
Betonung der Sprachphilosophie. Die in denselbem Verlag erschienene Einführung in die
humanistische Philosophie - Vorrang des Wortes von Ernesto Gras-si, 2. Aufl.
1991, ist als Zusammenfassung des Denkens des Autors verfaßt und enthält interessante
Informationen über sein Verhältnis zu Heidegger.)
Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustin zu Machiavelli,
kt., DM 25.--, Reclam Universalbibliothek 8342, 1986, Reclam, Stuttgart (behandelt auch
das 14. und 15. Jahrhundert und problematisiert Kontinuität und Bruch mit dem
Mittelalter).
Paul Oskar Kristeller: Humanismus und Renaissance, 2 Bände.
Band 1: Die antiken und mittelalterlichen Quellen. 259 S., Ln., DM 78.--, 1997.
Band 2: Philosophie, Bildung und Kunst. 340 S., kt., DM 96.--, 2. Auflage 1997.
Humanistische Bibliothek, W. Fink, München (systematisch geordnete gesammelte Aufsätze).
Paul Oskar Kristeller: Acht Philosophen der italienischen Renaissance, Weinheim,
Acta humaniora, 1985 (zuerst engl. 1964), im Buchhandel vergriffen. Vordergründig scheint
Kristeller, berühmt durch seine Ficino-Forschungen, zur doxographischen
Geschichtsschreibung zu neigen, seine Urteile halten aber dank Sachkenntnis zumeist stand.
Aus der internationalen Forschung seien ge-nannt:
The Cambridge History of Renaissance Philosophy, ed. Charles B. Schmitt u.a.,
Cambridge, Cambridge University Press, 1988,
85.-- (Aufriß nach Sachthemen, wie Logik, Rhetorik, Natur, Metaphysik, Seelenlehre etc.;
wichtigste Gesamtdarstellung.)
Brian P. Copenhaver, Charles B. Schmitt: Renaissance Philosophy. Pbk.,
29.95, 1992, A History of Western Philosophy 3, Oxford University Press (Von Schmitt als
Einführung geplantes, nach seinem Tod von Copenhaver leider uneinheitlich ausgeweitetes
Handbuch, nützlich die Kapitel über Aristotelismus und Skeptizismus).
Eugenio Garin: Storia della filosofia italiana, (zuerst 1945) Torino, Einaudi, 1966
, 3 Bände (aus der Fülle der unübergehbaren Schriften Garins zur Renaissancephilosophie
das mit den meisten Kurzinformationen zu allen Themen).
Paul Richard Blum ist Professor für Philosophie an der Péter Pázmány Universität Budapest.