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Krause Ausgewählte Schriften

 

 

KARL FRIEDRICH KRAUSE

Der Verlag Frommann-Holzboog plant eine auf sechs Bände angelegte Ausgabe „Ausge- wählte Schriften“ von Karl Friedrich Krause (1781-1832).

Die Bände der „Ausgewählten Schriften“ werden systematisch und wirkungsgeschicht- lich gegliedert sein. Informationen und Varianten aus Handexemplaren, Nachlassma- nuskripten und späteren Ausgaben finden sich in den Anmerkungen, angegeben wird die Paginierung der Originalausgabe. Die Herausgeber liefern textkritische und kontextuelle Erläuterungen, jeder Einzelband ist mit Registern und einer Einleitung ausgestattet, die Informationen über die Entstehung der Schriften und der Einordnung in das Gesamt- werk Krauses bieten. Hinzu kommen Angaben über weitere Editionen sowie die Rezeption Krauses inner- und außerhalb Deutschlands.

 

In Vorbereitung sind:

Band I: Entwurf des Systems der Philosophie. Erste Abteilung, enthaltend die allgemeine Philosophie, nebst einer Anleitung zur Naturphilosophie. Neudruck der Ausgabe Jena/Leipzig 1804. Herausgegeben und eingeleitet von Olaf Breidbach und Thomas Bach. Mit einer Einleitung in Krauses Gesamtwerk und einer Biblio­graphie von E.M. Urena.

Krause eröffnet hier seinen ersten Systementwurf in der Tradition Schellings mit einer Anleitung zur Naturphilosophie.

 

Band II: Philosophisch-freimaurerische Schriften (1808-1820). Herausgegeben und eingeleitet von Johannes Seidel und E.M. Urena.

Der Band enthält sieben Abhandlungen Krauses zur Auseinandersetzung mit der Freimaurerei, darunter ein bislang unveröffentlichtes Manuskript „Frohkunde an die Menschheit“ (1832). Hatte Krause bis dahin den durch Napoleon begonnenen Gang zu einem Weltstaat als Anbruch der dritten und letzten Etappe der Geschichte der Menschheit konzipiert, so ersetzt er 1808 „Napoleon“ als weltgeschichtliche Figur durch die „Freimaurerbruderschaft“ und den „Weltstaat“ durch den „Menschheitsbund“.

 

 

 

 

 

Karl Christian Friedrich Krause –
Ausgabe ausgewählter Schriften


Karl Christian Friedrich Krause, geboren am 6. Mai 1871 in Eisenberg (Thüringen), immatrikulierte sich zum Wintersemester 1797/ 87 in Jena für Theologie. Er wurde Hörer von Fichte, Schelling und Schlegel und promovierte 1801 über ein mathematisches Thema. 1802 erhielt er die venia legendi und begann bereits im Wintersemester desselben Jahres mit Vorlesungen über reine Mathematik, Logik und Naturrecht. Ab Sommer 1803 folgten Vorlesungen über Naturphilosophie. Dabei begeisterte sich Krause für das Konzept einer sich deduktiv entwickelnden Wissenschaft, das er in Schellings Naturphilosophie zu erkennen glaubte.

Als sich Karl Christian Friedrich Krause im Oktober 1804 entschloss, Jena zu verlassen, hatte er dort mehr Hörer als der gleichzeitig lehrende Hegel. Krause zog erst nach Rudolstadt, dann nach Dresden, wo er sich mit Privatvorlesungen und Mathematik¬unterricht über Wasser hielt. In Dresden entwickelte er die Idee einer sittlich geläuterten Humanität. Diese vertrat er nicht nur in verschiedenen Monographien, sondern auch in einer eigenen Zeitschrift, dem Tagblatt des Menschheitslebens.

In der Hoffnung auf einen Lehrstuhl ging Krause, ermuntert von Fichte, nach Berlin und habilitierte sich dort 1814 erneut. Nach Fichtes Tod versuchte er sich als dessen Nachfolger zu bewerben, wurde aber abgelehnt und zog sich, nachdem sich die Hoffnungen auf eine akademische Karriere in Berlin zerschlagen hatten, wieder nach Dresden zurück. Er lebte dort unter ärmlichsten Bedingungen und hochverschuldet mit seiner Familie. 1823 zog er nach Göttingen, wo er sich erneut habilitierte. Er wirkte dort ohne großen Nachhall bis 1830 als Privatdozent der Philosophie. Schüler von ihm waren in die Studenten und Bürgerunruhen von 1830/31 verwickelt. Krause wurde bei der nachfolgenden Aufklärung der Vorgänge des Sympathisantentums bezichtigt. Eine Freistellung von der Strafverfolgung wurde ihm unter der Bedingung zugesichert, dass er Göttingen verließe. Er ging daraufhin nach München, wo er am 27. Dezember 1832 starb.

Seine Philosophie ist bis heute im Vergleich zu der von Fichte, Schelling und Hegel kaum rezipiert worden. Dennoch gehört Krause neben den drei genannten Autoren unverzichtbar zum Kern des Deutschen Idealismus.

Der Stuttgarter Verlag FrommannHolzboog, der sich unschätzbare Verdienste um die Edition der Texte des Deutschen Idealismus erworben hat, hat mit einer Ausgabe „Karl Christian Friedrich Krause. Ausgewählte Schriften“ begonnen. Als Herausgeber zeich¬nen Enrique M. Urena und Erich Fuchs. In erster Linie wird die Ausgabe die Texte enthalten, die zu Lebzeiten von Krause selbst veröffentlicht wurden; darunter insbesondere diejenigen, die entweder seine Philosophie begründen, die zu den für Krause wichtigsten Einzeldisziplinen gehören oder die einen größeren Einfluss in und außerhalb Deutschlands ausgeübt haben.

Geplant sind folgende sechs Bände:

Band I. Entwurf des Systems der Philosophie. Erste Abteilung.
Band II: Philosophischfreimaurerische Schriften (18081832)
Band III. Vermischte Schriften
Band IV: Rechtsphilosophische und politische Schriften
Band V: Das Urbild der Menschheit. Ein Versuch.
Band VI: System der Philosophie


Krause hat insgesamt 256 Texte veröffentlicht (Band I enthält ein Publikationsverzeichnis mit Anspruch auf Vollständigkeit).
Die Bände I und VI enthalten zwei Schriften über das „System der Philosophie“, die am Anfang (einer Phase größerer Abhängigkeit Krauses von Schelling) und am Ende von Krauses Publikationstätigkeit erschienen sind (1802 und 1804). Krause hatte schon vor 1804 zwei Schriften veröffentlicht: die Grundlage des Naturrechts und den Grundriss der historischen Logik, veröffentlicht; nach 1828 publizierte er noch die Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft (1829). Band II nimmt verschiedene freimaurerische Schriften auf (darunter ein bis jetzt unediertes Manuskript), die alle in Verbindung zu einem seiner wichtigsten Werke, dem Urbild der Menschheit, stehen (Band V). Dieses, Krauses einflussreichstes Werk verbindet am deutlichsten Krauses rein theoretische Schriften mit allen Zweigen seiner praktischen Philosophie. Band III versammelt ausgewählte Schriften aus einzelnen, theoretischen und praktischen Wissenschaftszweigen, die für das Ganze des Krauseschen Werks aus unterschiedlichen Gründen relevant sind und etwa die Religions und Geschichtsphilosophie, Pädagogik oder Ästhetik betreffen. Band IV beinhaltet unter anderem Krauses 1814 in den Deutschen Blättern veröffentlichten „Entwurf eines europäischen Staatenbundes“.

Dass Krause kaum rezipiert worden ist, erklären die Herausgeber unter anderem mit der „Hispanisierung“ seiner Philosophie. Im 19. Jahrhundert wurden seine Schriften ins Spanische übersetzt, allerdings nicht wortgetreu, sondern an die spanischen Verhältnisse angepasst. Die spanischen Professoren ihrerseits, die Krause rezipierten, kannten den Deutschen Idealismus kaum, und was aus Spanien nach Deutschland als Philosophie Krauses zurückkam, verhinderte eine eingehendere Beschäftigung mit dessen Philosophie. Zwischen den deutschen und den spanischen Krauseanern bestand aber zwischen 1844 und 1904 eine ununterbrochene und beeindruckende Korrespondenz, die bislang unbekannt war.
Krauses Philosophie war, wie die Herausgeber ausführen, von Anfang an von ihrem Wesen her auf praktische Wirkung ausgerichtet. Der analytische Teil des Systems, Krauses eigentümlicher Zugang zum Real und Erkenntnisprinzip alles Seienden („Wesen“ oder „Gott“) war für Krause zugleich theoretische Übung und praktischer Weg zum vollkommenen Menschsein. Er glaubte, die die „Wesen„ oder „Gottschauung“ erfahrenden Menschen würden ihr eigenes Leben „reinmenschlich“ leben, ebenso die in größerer Komplexität organisierten „Bünde“ (Familie bis hin zum Menschheitsbund). Zum „Wesen“, zu Gott, kommt der Mensch in der Wesenschauung durch die Vernunft, aber auch durch die Vernunft sieht man, dass die Wesenschauung eine helfende Wirkung Gottes ist, durch die auch das Gefühl, das Herz, erwärmt wird.

Krause übte großen Einfluss auf die Pädagogik Fröbels (17741843) aus, anfangs durch seine persönliche Beziehung zu ihm und nach Fröbels Tod durch die zu seinen Schülern. Auch veranstalteten die Krauseaner Philosophenkongresse, 1868 in Prag und 1869 in Frankfurt a.M. Auch der 1861 gegründete „Verein deutscher Freimaurer“ wurde im Geiste von Krauses menschheitlichen Ideen ins Leben gerufen.

Die größte Wirkung hatte Krause jedoch in Spanien. Im Sommer 1843 kam der Spanier Julián Sanz del Río nach Heidelberg, um Philosophie zu studieren. Ein Jahr später kehrte er zurück mit dem festen Vorsatz, Krauses Philosophie mit seiner liberalen Gesellschafts und Staatslehre und seine auf die Erziehung des Menschen als Menschen abzielende Pädagogik zur Grundlage der gei¬stigen Modernisierung Spaniens zu machen. Zu dieser Zeit sehnten sich viele katholische spanische Intellektuelle nach einer Befreiung von vorgeschriebenen Dogmen und Praktiken. Krauses Philosophie entsprach diesem Verlangen, und die spanischen Krausisten erzielten eine beeindruckende öffentliche Wirkung. Sie lieferten der spanischen Revolution vom September 1868 die ideologische Orientierung und besetzten mehrere wichtige Posten in der Regierung.

Als Band I der Ausgabe ist erschienen:
Entwurf des Systems der Philosophie. Erste Abtheilung enthaltend die allgemeine Philosophie, nebst einer Anleitung zur Naturphilosophie. Jena und Leipzig 1804. Herausgegeben und eingeleitet von Thomas Bach und Olaf Breidbach. LXXXVII. 188 S., Ln., einzeln € 198.—, bei Gesamtabnahme € 178.—, 2007, FrommannHolzboog, Stuttgart

Der zweite Teil dieses Entwurfs ist nie erschienen. Das Titelblatt zeigt auch, wie die Herausgeber anführen, dass Krause nicht die Absicht hatte, die Naturphilosophie als selbständige Wissenschaft, sondern nur als Teil eines umfassenden Systems auszuarbeiten. Der Text selber ist als Handbuch zu Krauses Vorlesungen konzipiert. Krause hatte diese Vorlesung genau in dem Moment angekündigt, als Schelling, der die Naturphilosophie thematisiert hatte, Jena verließ. Dieses thematische Feld war nun in Jena offen, und Krause nutzte dies, um ausgehend von dessen naturphilosophischem Ansatz seine eigenständige Systemdarstellung einer deduktiv verfahrenden Naturphilosophie vorzustellen.

Naturwissen ist Krause zufolge nicht empirisch zu gewinnen, vielmehr sind die philosophischen Prämissen aufzuzeigen, von denen ausgehend mögliche Erfahrungen zu erfassen und als Bestandteile eines Naturwissens einzuordnen sind. Anders als Schelling geht Krause dabei von einer in sich bestimmten Axiomatik aus, von der mögliche Urteile über die Natur zu deduzieren sind. Diese deduzierten Aussagen über die Natur sind dann, wenn die Deduktion schlüssig ist, in sich bestimmt und vor und über jede Erfahrung gültig. Die „Idee der echten wissenschaftlichen Methode“, zu der Krause die „Deduction, Intuition und Construction“ zählt, kann daher apriorisch bestimmt werden. Die beiden von Krause eingeführten Teile der Naturphilosophie handeln explizit von der „Deduction der Natur“ bzw. der „Anleitung zur Construction der Natur“. Sie werden von einem Axiom deduziert und nicht einfach als Hypothese einer möglichen Konstruktion verstanden, Darin unterscheidet sich Krause prinzipiell von Schelling. So schreibt er, Schelling sei „unter anderem wohl auch durch seine frühere Geringschätzung der Mathematik und der formalen Logik“, daran gehindert worden, die Grundlehren der praktischen Philosophie zu entwickeln, „indem er das Wesentliche dieser noch unvollkommen gestalteten Wissenschaften verkannte“.

Laut den Herausgebern unterscheidet sich Krause von Schelling vor allem dadurch, dass er nicht die Natur mit ihren in den einzelnen Wissenschaften oder anderen Erfahrungsgefügen gesicherten Phänomenen als Ausgangspunkt für seine Natur¬philosophie wählt. Die Naturphilosophie ist für Krause auch kein für sich autonomer Teil, sondern nur ein „Nebentheil der Philosophie der Vernunft oder des Geistes“. Ausgangspunkt von Schellings Naturphilosophie ist ein zwar aus einem obersten Axiom abgeleiteter Begriff von Natur, der dann aber doch ganz nach Schellingschen Prinzipien interpretiert wird und nach diesen Prinzipien in eine Hierarchie von Bestimmungsschritten zu strukturieren ist. Krause steht in der Nachfolge Schellings, aber er löst dessen Naturphilosophie aus ihrem dialogischen Kontext mit den Naturwissenschaften heraus und verabsolutiert seine Naturphilosophie im Kontext seiner Wissenschaftslehre. Er autonomisiert die Naturphilosophie von der Naturforschung und begreift sie als eine in und für sich stehende Disziplin, die sich im weiteren weder auf die neueren Erkenntnisse der Naturforschung noch auf die Natur selbst, sondern eben nur auf die in der Naturphilosophie selbst schon gewonnenen Prinzipien zu beziehen hat. Naturphilosophie ist für Krause damit die Explikation der Idee als Idee. Sie besteht in der Darlegung der Ableitungsschritte, aus denen sich in der Natur die ihr grundlegende Idee entfaltet, womit dann die Idee in ihrer Strukturiertheit begriffen und damit Natur als Natur erfasst wäre.

 

 




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