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Descartes, Meteore

DESCARTES

 

Les Météores / Die Meteore

 

Von der Antike bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zählten alle Arten von Himmelserscheinungen, die in der Luft sich „in der Schwebe“ (meteoros) befinden, zu den Meteoren – also Sternschuppen genauso wie Regenbögen und Gewitter. Die Erforschung dieser Erscheinungen, die Meteorologie, bildete das Experimentierfeld für neue wissenschaftliche Forschungsansätze, und dies insbesondere für Phänomene, die traditionell das Einwirken göttlicher Kräfte zu bezeugen schienen, wie Wind, Gewitter oder Erdbeben. Nahezu jeder Naturphilosoph, der etwas auf sich hielt, beschäftigte sich damit. So sind uns entsprechende Berichte u. a. von Platon, Aristoteles, Theoprast, Lukrez, Seneca, Albertus Magnus, Galilei, John Locke und auch von Descartes überliefert.

 

In der Wissenschafts- und Philosophiegeschichte dagegen ist dieses Thema vernachlässigt worden. Das hatte zur Folge, dass die Darstellungen der Frühen Neuzeit sich einseitig auf kosmologische Modelle fokussieren. Eine weitere Folge war, dass Descartes’ 1637 erschienener Text bislang noch nicht in deutscher Übersetzung herausgekommen war. Claus Zittel hat dies nun nach­geholt und eine deutsche Übersetzung zusammen mit dem Faksimile des Originaltextes veröffentlicht:

 

3-465-03451-1 Descartes, René: Les Météores. Faksimile der Erstausgabe 1637. Herausgegeben, übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Claus Zittel. 340 S., kt., € 32.—, 2006, Zeitsprünge, Heft 1/2,, Band 10 (2006), Klostermann, Frankfurt.

 

Es handelt sich dabei um die erste Publika­tion von Descartes, und sie ist sehr ehrgeizig: Descartes legt den ersten umfassenden wissenschaftlichen Erklärungsanspruch der frühen Neuzeit über den Aufbau der Erde sowie sämtliche Meteore vor, und er präsentiert zum ersten Mal öffentlich seine Materietheorie. Laut Zittel konnte er zu Recht behaupten, für zahlreiche bislang rätselhafte Phänomene plausible Erklärungshypothesen gefunden zu haben.

 

Ursprünglich bildeten die Météores zusammen mit weiteren Essays und dem berühmten Discours de la méthode einen eigenen Corpus, wovon der Discours lediglich die Einleitung war. Früh schon wurde er aber vom Corpus abgetrennt und als Einzeltext tradiert, während die eigentlichen Essays in Vergessenheit gerieten. Zu Unrecht, wie Zittel meint. Denn in den Météores bricht Descartes radikal mit dem aristotelischen Paradigma der Erklärung von Himmelserschei­nungen. Während Aristoteles auf besondere substantielle Eigenschaften der jeweiligen Körper rekurrierte, um deren Veränderungen und Wirkungen zu erklären, ersetzt Descartes diesen Erklärungstypus durch eine mechani­stische Theorie, der zufolge alle Phänomene einzig auf der hypothetischen Grundlage von Gestalt und Bewegung einer Sorte von Materieteilchen erklärt werden können.

 

 

 




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