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Maimon, Salomon

 

SALOMON MAIMON

 

Versuch über die Transzendentalphilosophie

 

„Aber wo denken Sie hin, liebster Freund, mir ein großes Paket der subtilsten Nachforschungen zum Durchlesen nicht allein, sondern auch zum Durchdenken zuzuschicken“, antworte Kant Markus Herz, als ihm dieser das Manuskript des Versuches über die Transzendentalphilosophie zugeschickt hatte. „Allein ein Blick, den ich darauf warf, gab mir bald die Vorzüglichkeit desselben zu erkennen“, fuhr Kant fort. Und nach der Lektüre der ersten zwei Abschnitte stellte Kant fest, „dass nicht allein niemand von meinen Gegnern mich und die Hauptfrage so wohl verstanden, sondern  nur wenige zu dergleichen Untersuchungen soviel Scharfsinn besitzen möchten, als Hr. Maymon“.

 

Der Versuch über die Transzendentalphilosophie erschien erstmals 1790 in  Berlin. Der Olms-Verlag hat innerhalb der „Gesammelten Werke“ von Maimon in Band II  im Jahr 2000 die einen reprographischen Ausdruck vorgenommen.

Eine Neuausgabe ist nun innerhalb der „Philosophischen Bibliothek“ mit Einleitung, ausführlichen Anmerkungen, Bibliographie, Personen- und Sachregister erschienen:

 

Salomon Maimon: Versuch über die Transzendentalphilosophie. Eingeleitet und mit Anmerkungen sowie einer Beilage versehen von Florian Ehrensperger. 324 S., Ln. € 36.—, kt. € 19.80, 2004, Philosophische Bi­bliothek Band 552, Felix Meiner, Hamburg.

 

Maimon steht, so Ehrensperger in seiner Einleitung, in der Entwicklung von Kant bis Hegel an prominenter Stelle. Gedanken Maimons haben eine Wiederaufnahme und Weiterentwicklung im Neukantianismus erfahren. Und in jüngster Zeit wurde auf Parallelen zur analytischen Philosophie und der modernen Mathematik hingewiesen.

Salomon Maimon wurde 1753  als Salomon ben Josua in Sokowiburg (damals Polen,  heute Weissrussland) geboren. Geprägt wurde er neben einer talmudischen Ausbildung  und dem Studium der Kabbala  durch Maimonides, dem er, so Maimon, seine „geistliche Wiedergeburt“ verdanke. Eine zweites Stadium seiner Entwicklung begann mit dem Studium der Philosophie von Wolff. Frühestens 1787 begann er sich mit Kant auseinanderzusetzen.  Beim  Studium der Kritik der reinen Vernunft suchte er sich durch eigenes Nachdenken dessen Sinn deutlich zu machen. Aus den daraus entstandenen Notizen entstand nach und nach der Versuch über die Transzendentalphilosophie. Er schreibe, teilt Maimon dem Leser mit, Kant nicht ab, „ich suche ihn, soviel in meinem Vermögen ist, zu erläutern, zuweilen aber mache ich auch Anmerkungen über denselben.“

 

Der Versuch gliedert sich in fünf verschiedene Teile, deren erster anfangs der Kritik der reinen Vernunft folgt. Maimon beginnt mit einer Bestimmung der Transzendentalphilosophie, mit allgemeinen Ausführungen zu Form und Materie der Erkenntnis sowie Raum und Zeit. Es folgen die Kategorienlehre, die transzendentale Deduktion sowie die Grundsätze des reinen Verstandes. Nach    einer Bestimmung von Begriff und Idee wird

 

der Bezugsrahmen der KrV aber verlassen und Maimon folgt merkwürdigerweise dem Aufbau der Ontologie der Metaphysik Alexander Gottlieb Baumgartens. Es folgen unzusammenhängend Themen wie Größe, Veränderung, Wahrheit und Ich. In einem  weiteren Kapitel „Über symbolische Erkenntnis und philosophische Sprache“ unternimmt Maimon schließlich einen sprachphilosophischen Exkurs.

 

Ein formales Ordnungsprinzip des Buches lässt sich laut Ehrensperger nicht erkennen. Thematisch zusammenhängende Reflexionen sind im ganzen Buch verstreut, immer wieder setzt Maimon zur Analyse an. „Wie weit ich übrigens Kantianer, Antikantianer, beides zugleich oder keines von beiden, bin: überlasse ich der Beurteilung des denkenden Lesers“, schrieb Maimon. Ehrensperger hingegen meint, Maimons Anspruch sei es gerade, zwischen beiden gegensätzlichen Positionen zu vermitteln. Maimon will sowohl dem Kantischen System sein Recht einräumen als auch dem rationalistischen und zugleich der skeptischen Kritik. Er behauptet zwar, dass er die Kritik der reinen Vernunft „für so klassisch und so wenig widerlegbar als das Werk des Euklides in seiner Art“ halte, auf der anderen Seite erachtet er das Kantische „Sy­stem für unzulänglich“. Für Kant selber ist es offensichtlich, dass Maimon zu seinen Gegnern zählt, da seine Schrift „großenteils wider mich gerichtet“ ist. Bei den ersten Rezipienten gehen allerdings die Meinungen darüber auseinander. Gemeinsam ist hingegen allen die Klage über Maimons Unverständlichkeit. Trotzdem hat Maimon mit seinem Versuch die nachtkantischen Schriften nicht unerheblich beeinflusst. „Der scharfsinnigste zwischen Kant und Fichte für die Weiterentwicklung in Betracht kommende Denker ist ohne allen Zweifel Salomon Maimon“, schrieb Richard Kroner.

 

 




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