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UNTERRICHT

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Diverse Beiträge in Heft 4/2010

Zu finden in: Heft 4/2010

UNTERRICHT

Berlin

Das Bündnis „Pro Ethik“ hat den Berliner Ethik-Unterricht kritisiert: Der Lehrplan sei zu schwammig und zu einseitig, die Lehrer schlecht ausgebildet. Insbesondere wird kritisiert, dass der Rahmenlehrplan „zu philosophisch und zu ungenau“ sei, so Gerd Egger, der Sprecher von „Pro Ethik“ im Berliner Tagesspiegel: „Überhaupt muss das ganze Fach evaluiert werden.“ Dem Bündnis Pro Ethik gehören neben Vertretern der SPD, Linken und Grünen der Fachverband Ethik, der Humanistische Verband und der Türkische Bund an. Dem Bündnis ist vor allem die Zusammenarbeit der evangelischen Kirche mit dem Ethikunterricht ein Dorn im Auge. „Das verstößt in Teilen eindeutig gegen das Schulgesetz“, so Eggers weiter. Moniert wird weiter, dass die Ethiklehrer zu wenig Kenntnis von den Weltreligionen haben. In Berlin werden 4000 Ethikklassen unterrichtet, laut Bündnis haben aber nur 700 Ethiklehrer an der dreisemestrigen Fortbildung teilgenommen. Bis Herbst will „Pro Ethik“ nun eine Bestandsaufnahme des Ethikunterrichts durchführen.

Nordrhein-Westfalen

Gemäß dem Koalitionsvertrag der neuen Rot-Grünen Regierung in Nordrhein-Westfalen soll das Fach „Praktische Philosophie / Ethik“ ab dem fünften Schuljahr als Pflichtfach für Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden, eingeführt werden.

Schleswig-Holstein

Die Fraktion der „Linken“ hat einen Antrag im Parlament eingebracht, in dem gefordert wird, einen gesetzlichen Rahmen für ein Schulfach „Ethik-Religionskunde“ zu entwickeln, bei dem nicht nur alle Glaubens- und Religionsgemeinschaften, sondern ebenfalls die religionsfreien Weltanschauungen berücksichtigt werden sollen. Die Fraktion sieht in dem Umstand, dass zum Religionsunterricht ein „anderer Unterricht im gleichwertigen Status“, etwa Ethik-Unterricht, in Schleswig-Holstein nicht angeboten werde, eine Verletzung der staatlich garantierten negativen Religionsfreiheit. Zusätzlich bemängelt die Fraktion, dass zukünftig ab der fünften Klasse Schülerinnen und Schüler ohne oder anderer Konfessionen der Philosophie-Unterricht als „anderer Unterricht“ erteilt werde. Eine klare Ablehnung gab es von der CDU: „Durch das Nebeneinander von Philosophie und konfessionellem Unterricht wird Schleswig-Holstein der Pluralität gerecht“, sagte, deren Abgeordnete Todsen-Reese.

Wien

Am 19. 4. 2010 wurde das neue Fachdidaktikzentrum Psychologie und Philosophie (als 10. Fachdidaktikzentrum universitärer Lehramtsstudien) an der Universität Wien eröffnet. Das "FDZ PuP" wird die fachdidaktische Ausbildung der rund 1400 Studierenden im Lehramt "Psychologie und Philosophie" betreuen. Projekt-Koordinator ist Georg Cavallar.

LITERATUR

● Norbert Hoerster hat im Reclam-Verlag unter dem Titel „Was ist Moral? Eine philosophische Einführung“ (104 S., kt., € 3.—, 2008) eine Sammlung von kleinen Texten veröffentlicht, die für den Ethik-Unterricht geradezu ideal sind: sie führen auf hohem Niveau in zentrale Themen ein und sind gut verständlich; die Beispiele sind aus dem praktischen Leben und die Argumentation lässt sich auch für Schüler und Schülerinnen gut nachvollziehen. Hoersters aufklärerische und gut begründete Kritik am Moralanspruch der Religion eignet sich als Anstoß zu lebhaften Diskussionen. Die insgesamt acht kleinen Texte – Was bedeutet das Wort „Moral“? Ist die Moral dem Menschen vorgegeben? Kann Religion die Moral begründen? Was leistet die Goldene Regel? Kann die Moral unseren Interessen dienen? Muss die Moral alle gleichbehandeln? Warum soll man nicht „trittbrettfahren“? Setzt die Moral Willensfreiheit“ voraus – bauen zwar aufeinander auf, können aber auch unabhängig voneinander im Unterricht gelesen werden, vielleicht zusammen mit einem Text von Hoersters Lieblingsgegner Spaemann.

● Der Mentis-Verlag, ein Fachverlag für analytisch orientierte Philosophie, gibt einen „Grundkurs Ethik“ heraus, der die theoretischen Grundlagen für einen Ethik-Unterricht liefert, der auf der Höhe der Zeit ist: Ach, Johann S. / Bayertz, Kurt / Siep, Ludwig: Grundkurs Ethik. Band 1: Grundlagen. 234 S., kt., € 24.80. 2008, Mentis, Paderborn.
Der erste Band führt in die wichtigen Ethik-Typen (Tugendethik, Kontraktualismus, deontologische und konsquentialistische Ansätze) ein. Die Texte sind didaktisch klug aufgebaut, was man bereits bei den Überschriften der Beiträge merkt: „Pflicht ist Pflicht. Oder nicht?“, „Von schmutzigen Händen und reinem Gewissen“ sind nur einige Beispiele. Die Texte, die keinerlei Grundkenntnisse voraussetzen, beginnen oft (nicht immer) mit einem Beispiel, um dann langsam zu den theoretischen Grundlagen zu kommen. Die Autoren sind ausnahmslos ausgewiesene Experten. Kontrollfragen helfen, das Verständnis zu kontrollieren. Zudem führen die Beiträge weiterführende Literatur auf. Für den Lehrer hilfreich für die Unterrichtsvorbereitung.

NACHTRAG

In Heft 1/2010 brachten wir eine Übersicht über den Ethik-Unterricht in den einzelnen Bundesländern. Leider fehlte zum einen Sachsen-Anhalt. Wir holen das nachstehend nach.
Zum anderen fehlte bei den ausbildenden Universitäten unter Nordrhein-Westfalen Köln. Dabei ist die Universität Köln eine der Universitäten, die am meisten Lehrer für das Philosophie/Praktische Philosophie ausbildet. Wir bitten alle aus Sachsen-Anhalt und Köln um Entschuldigung.

Sachsen-Anhalt

Bezeichnung: Ethik-Unterricht

Datum der Einführung: 1991/1992

Schulformen: Der Unterricht erfolgt in der Primarstufe, in der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II. Er ist alternativ zum Religionsunterricht zu belegen.

Anzahl Lehrkräfte: Ca. 1550 Personen haben eine Unterrichtserlaubnis bzw. Lehrbefähigung erworben.

Studium: Die Lehramtsausbildung für die Lehrämter an Grundschulen, an Sekundar-schulen, an Förderschulen und an Gymnasien erfolgt an der Universität Halle-Wittenberg, für das Lehramt an berufsbildenden Schulen an der Universität Magdeburg.

Weiterbildung: Weiterbildungsmöglichkeiten bieten sowohl die Universität Halle-Wittenberg wie auch die Universität Magdeburg.




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