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Kongresse

15.06.2017 Druckversion  |  Schrift: vergrößern verkleinern 

Calls for paper

 

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ohne Datum:

Die Phänomenologie und das Politische
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für phänomenologische Forschung
FernUniversität in Hagen, 13.–16. September 2017
Call for Papers


Die Gegenwart politisiert sich. Die Krise Europas, die Konjunktur des Populismus, Flucht und Migration sowie die Rolle der internationalen Finanz- und Ordnungssysteme haben die politischen Verhältnisse wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Klassische und postklassische phänomenologische Ansätze tragen vielfach zur Erschließung, Analyse und Problematisierung des Feldes des Politischen bei, auch wenn die Phänomenologie hier an ihre Grenzen getrieben wird.
Mit ihrer Fokussierung auf die Erfahrungsperspektive erlauben phänomenologische Ansätze einen
Zugriff auf politische Haltungen, Einstellungen und Affekte, die sie in ihrer Genese und Charakteristik zu durchdringen vermögen. Sie lenken das Augenmerk auf die Genese politischer Institutionen und Prozesse. Ihre Analysen des politischen Raumes zeigen auf, unter welchen Bedingungen Subjekte überhaupt erst als Akteure erscheinen und ihre Stimme erheben können. Ihre postfundamentalistische Herangehensweise erlaubt es, politische Kämpfe und Wandlungsprozesse begrifflich systematisch zu fassen. Und schließlich legt die Phänomenologie ethische und praktische Aporien und Paradoxien frei, die mit der Konstitution des politischen Raumes unvermeidlich einhergehen.


Die Tagung diskutiert das Problemfeld mit internationalen GastrednerInnen sowie in acht thematischen Sektionen, auf die sich alle interessierten WissenschafterInnen bewerben können:


Sektion I: Genealogie – Genese – Konstitution der politischen Welt
(Sektionsleitung: Karl Mertens, Würzburg)
Nach Hannah Arendt ist das Politische ein Weltbereich, in dem Menschen primär als Handelnde auftreten. Im Kontext konstitutionsphänomenologischer Überlegungen führt dieser Ansatz zur Frage nach der Möglichkeit der Bildung politischer Institutionen: Wie gelingt es von Individuen vollzogenen Handlungen eine die menschliche Praxis bestimmende Sphäre von überindividueller Bedeutung herzustellen? Lassen sich die Sphären des öffentlichen Lebens, überindividuelle Praktiken, institutionelle Ordnungen und Strukturen im Rekurs auf das bewusste Erleben, die Erste-Person-Perspektive oder gar die transzendentale Subjektivität zureichend erfassen? Ist darüber hinaus auch ein Verstehen des Politischen in drittpersonaler Perspektive möglich? Wo liegen gegebenenfalls die Grenzen einer Phänomenologie´des Politischen?


Sektion II: Leib – Körper – Biopolitik
(Sektionsleitung: Tobias Klass, Wuppertal)
Die Verflechtung des Leibes in das Feld des Politischen beginnt mit der Bestimmung einer politischenEinheit als „corps social“, setzt sich fort in der politischen Diskussion rund um bioethische Fragen wie Präimplantationsdiagnostik oder Stammzellenforschung und reicht bis zu Fragen des Gender-Mainstreaming und der leiblichen Dimension von Kategorien wie race, class oder gender. Die Sektionwill sich in erster Linie auf Fragen der „Biopolitik“ konzentrieren, verstanden als Problematisierung vonKörperordnungen, -techniken und -disziplinierungen, die den Raum des Politischen allererst konstituieren.


Sektion III: Gewalt – Schmerz – Leiden
(Sektionsleitung: Michael Staudigl, Wien)
Die Sektion fragt nach den Möglichkeiten der Phänomenologie, verschiedenste Phänomene der Gewalt  umfassend zu erforschen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Weise, in der tradierte Auffassungen menschlicher Verletzlichkeit, Erfahrungen des Leidens und Symbolisierungen von Schmerz den sozialen Sinn und die gelebte Praxis von Gewalt bestimmen. Wie mit dem unaufhebbaren Faktum menschlicher Verletzlichkeit umgegangen wird, wie es gelebt und sinnhaft artikuliert wird und wie diese Sinnzuschreibungen in eins auf die Konstitution des Politischen wirken, soll dabei beispielhaft mit Bezug auf ausgewählte Phänomene der Gewalt beschrieben und kritisch diskutiert werden.


Sektion IV: Affekte – Gefühle – Leidenschaften
(Sektionsleitung: Iris Därmann & Kathrin Busch, Berlin)
Gefühle sind keine Privatangelegenheit. Als Bindungs- und Trennungskräfte bringen sie politische
Ordnungen in Aufruhr und Bewegung. Hass, Ekel und Angst werden als politische Intensivierungstechniken des gewaltsamen Ausschlusses Anderer genutzt. Trauer, Leid und Ohnmacht können sich als affektive Kräfte politischen Widerstands erweisen. Im Mittelpunkt steht das In- und Auseinander von Politischem und Politik aus gefühlsphänomenologischer Perspektive. An welchen Gefühlen richtet sich das Politische aus und mit welchen Gefühlen rechnet wiederum die Politik? Inwiefern sind Gefühle (wie die Liebe) und Gefühlspraktiken unverzichtbar für das politische Bindegewebe und können es zugleich exzessiv bedrohen? Ist die Affizierbarkeit durch Andere und Anderes bereits ein spezifischer Modus politischer Affektivität im Sinne einer vita passiva, die als konstitutiv für die vita activa gelten kann?


Sektion V: Macht – Herrschaft – Unterdrückung
(Sektionsleitung: Christina Schües, Lübeck)
Strukturelle Macht und die Ausübung von Herrschaft, das Erleiden von Unterdrückung und die Erfahrung des Ausgeschlossenseins aus dem gesellschaftlichen Bereich stellen Herausforderungen dar, die dazu aufrufen, Ansätze einer politischen Phänomenologie zu entwickeln. Die Partizipation in der Demokratie sowie der Widerstand in nicht-demokratischen Gesellschaften bedürfen epistemischer Ressourcen. Doch wie können aus phänomenologischer Perspektive die Ausgrenzung von Wissenspraktiken, das Fehlen von Sprache, das Nicht-Gehörtwerden, die Unterdrückung oder Machtstrukturen selbst beschrieben werden?


Sektion VI: Kultur – Nation – Ethnie
(Sektionsleitung: Georg Stenger, Wien)
Kultur, Nation und Ethnie dienen oftmals als „Kampfbegriffe“, anhand derer identifikatorische resp.
essentialistische Zuschreibungen vorgenommen werden. Dagegen soll im Ausgang von einer phänomenologischen Konstitutionsanalyse danach gefragt werden, wie es überhaupt zu diesen Begriffen und den mit ihnen verbundenen Verständnissen und Zuschreibungen kommt. Im Zuge dessen erscheintes möglich, „Normativität“ und „Genese“ nicht länger gegeneinander auszuspielen. Perspektivisch  legen sich daher folgende Fragestellungen nahe: Gibt es eine konstruktive Responsivität zwischen den drei Begriffen resp. Denkräumen, die von alters her für bestimmte Ordnungsmuster stehen? Grenzen sie sich gegenseitig stärker voneinander ab, wie es die historische Entwicklung in beinahe allen Kulturen nahezulegen scheint? Oder sind sie von Anfang an so ineinander verstrickt, dass „das Politische“ gänzlich aus dem Blickwinkel zu geraten droht?

Sektion VII: Offene – unmögliche – kommende Gemeinschaft
(Sektionsleitung: Matthias Flatscher, Wien)
In produktiver und zugleich kritischer Auseinandersetzung mit der klassischen Phänomenologie loten neuere Ansätze einen anderen Begriff von Gemeinschaft aus. Dieser wird als „uneingestehbare“ (Blanchot), „entwerkte“ (Nancy) oder auch „kommende“ (Agamben) Gemeinschaft bezeichnet, um jeder Form von Essentialismus einen Riegel vorzuschieben und ihr nicht-identitäres Verständnis zu akzentuieren. In der Sektion sollen die Diskurse, die den Versuch unternehmen, Gemeinschaft auf diese offene Weise zu „gründen“, zu Wort kommen, um zugleich Implikationen für eine Revision des Politischenzu diskutieren und konkrete Konsequenzen aufzuzeigen.


Sektion VIII: Kunst – Medien – Politik
(Sektionsleitung: Christian Grüny, Witten)
Das Politische ist das große Thema gegenwärtiger künstlerischer Produktion. Im Mittelpunkt der Sektionsoll die Frage nach den Formen des Politischen in den Künsten stehen, die eng mit der Rolle der Phänomenologie in der Kunsttheorie zusammenhängt. Die Phänomenologie ist dort am stärksten, wo wahrnehmungsbezogene Formen den Fokus künstlerischer Gestaltung bilden; je stärker konzeptuelle und aktivistische Züge hervortreten, desto weniger scheint sie gefragt. Wie schätzen Künstler- und Theoretikerinnen der verschiedenen Disziplinen die Möglichkeiten und die Produktivität eines phänomenologischen Zugangs ein?


Plenarvorträge: Linda Martín Alcoff (New York), Emmanuel Alloa (St. Gallen), Bettina Bergo (Montréal),
Debra Bergoffen (Washington), Robert Bernasconi (PennState), James Mensch (Prag), Andreas Oberprantacher
(Innsbruck), Jacob Rogozinski (Straßburg).


Bitte senden Sie Vorschläge in Form eines etwa 500 Wörter umfassenden Abstracts für einen Vortrag
von max. 30 Minuten bis zum 15.02.2017 an den Generalsekretär der DGPF, Dr. Steffen Herrmann:
steffen.herrmann@fernuni-hagen.de. Die Auswahl der Beiträge treffen die Sektionsleitungen. Geben
Sie daher bitte die Sektion an, auf die Sie sich mit ihrem Vorschlag bewerben.
Den Auftakt der Jahrestagung der DGPF macht der Workshop „Traditionslinien der Phänomenologie“
am 13. September 2017. In drei Sektionen (I. Klassische Phänomenologie (Brentano bis Heidegger), II.
Französische Phänomenologie, III. Grenzen der Phänomenologie) können ohne thematische Einschränkungen
phänomenologische Forschungsprojekte (insbes. Dissertationen) präsentiert und diskutiert
werden. Die Sektionen des Workshops werden u.a. von Mitgliedern des Beirats der DGPF geleitet.
Vorschläge für einen Vortrag können in gleicher Form und auf demselben Wege wie für die thematisch
fokussierte Tagung beim Generalsekretär eingereicht werden.
Organisation:
Prof. Thomas Bedorf (Präsident)
Dr. Steffen Herrmann (Generalsekretär)
Deutsche Gesellschaft für phänomenologische Forschung
www.phaenomenologische-forschung.de

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15. Juni

 

PLM4 - Fourth Philosophy of Language and Mind Conference

PLM is a European network of centers devoted to the Philosophy of Language and Mind. PLM was founded in 2010 and organizes international conferences, workshop and master classes taught by leading experts in the field  (see www.illc.uva.nl/PLM/).

The Fourth PLM conference will take place:

Venue: Ruhr University Bochum

Time: 21-23 September 2017

Conference Homepage: www.rub.de/phil-lang/PLM4/

Plenary Speakers:

  • Emma Borg (U Reading)
  • Ophelia Deroy (LMU Munich & IP London)
  • Paul Egré (Institut Jean Nicod, Paris)
  • Max Kölbel (U Vienna)
  • Nikola Kompa (U Osnabrück)
  • Bence Nanay (U Antwerp)
  • Albert Newen (U Bochum)
  • Markus Werning (U Bochum)

Organization: Markus Werning (speaker), Albert Newen and Heinrich Wansing

PLM Board/Member Institutions:

Call for Papers 

The conference welcomes the submission of abstracts in the areas of philosophy of language (widely construed, including philosophical logic and philosophy of linguistics) and philosophy of mind (including philosophy of psychology and cognitive science). Abstracts accepted as talks will be allocated 40 minutes, including 10 minutes of discussion. In addition, we will allow for poster presentations.

Submission of Abstracts 

Abstracts should be anonymous, not more than two pages of A4 (1 inch margins, 11 Times Roman) and submitted as a pdf file via EasyChair at:

easychair.org/conferences/?conf=plm4

Submission opens:  1 April 2017

Submission closes: 15 June 2017

Notification of acceptance: 30 July 2017 

Registration opens: 1 August 2017

Publication of Selected Papers:

Selected papers from all three previous PLM conferences have been published in special issues of Synthese or Review of Philosophy and Psychology. A similar special issue with selected papers is intended for PLM4.

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Termin; 18. Juni

Transdisziplinäre Dialoge zum Flüchtlingsbegriff
Infos: Ort: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Auditorium „Zur Rosen“, Johannisstr. 13, 07743 Jena
Beginn: 21.06.2017 19:30
Ende: 24.06.2017 14:00
  Der Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität richtet vom 21.-24. Juni 2017 eine Tagung zum Begriff des Flüchtlings aus. Ziel der Tagung ist es, gesellschaftliche Konflikte, die an der „Figur des Flüchtlings“ gegenwärtig immer wieder aufbrechen, aus unterschiedlichen Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis konkret zu benennen und Vorschläge für einen angemesseneren Umgang mit ihnen zu erarbeiten. Drei thematische Leitfragen stehen im Zentrum: Welche Bilder des Flüchtlings werden in der Öffentlichkeit produziert und wie beeinflussen sie politische Entscheidungen und soziale Anerkennungspraktiken? Wer wird als Flüchtling anerkannt und welche Rechte haben Geflüchtete? Wie ließe sich politische Partizipation von Geflüchteten gestalten und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für ein demokratisches Verständnis von Bürgerschaft? Die Veranstaltungen am 21. und am 24. Juni sind öffentlich. Für die Teilnahme an der Arbeitstagung (22. und 23. Juni) bitten wir um Anmeldung per E-Mail bis zum 18. Juni 2017 bei: marcus.oliver.leuoth@uni-jena.de

 

Termin: 22. Juni

 

Technologie und Kontrolle – Normative Ansätze

Workshop im Rahmen der V. Tagung für Praktische Philosophie

16./17. 11. 2017

Veranstalter: Ezio Di Nucci (Kopenhagen) und Thomas Grote (Tübingen)

Eingeladene ReferentInnen:

Judith Simon (Hamburg), Vincent Müller (Leeds) und Janina Loh (Wien)

Kurzbeschreibung:

Neuere technologische Errungenschaften wie maschinelles Lernen, selbstfahrende Autos, soziale Robotik oder „Smart Technologies“ sind dabei, unseren Handlungsspielraum entscheidend zu erweitern und unser Leben signifikant zu erleichtern. Maschinen besitzen nicht nur ein enormes Vermögen bei der Berechnung komplexer Zusammenhänge, sondern sie nehmen uns in der Berufswelt wie auch im persönlichen Leben zunehmend grundlegende Aufgaben ab. Der technologische Fortschritt geht jedoch mit hohen Kosten einher, nämlich mit einem vermeintlichen Verlust von Kontrolle. Dieser Kontrollverlust hat sowohl (a) epistemische, als auch (b) normative Dimensionen:

(a) da die Architektur der besagten Technologien immer komplexer wird, fällt es uns zunehmend schwerer, ihre Arbeitsweise nachvollziehen zu können. Neuere Technologien werden damit für uns immer opaker.

(b) Je mehr bestimmte Technologien in der Berufswelt und im persönlichen Leben Einzug halten, desto stärker werden wir abhängig von ihnen.

Das Ziel des Workshops ist es, die Beziehung zwischen (neueren) Technologien und Kontrolle unter normativen Gesichtspunkten genauer zu reflektieren. Neben einigen eingeladenen ReferentInnen besteht die Möglichkeit, sich über einen Abstract für einen Beitrag zu bewerben. Die möglichen Beiträge können sich mit der Beziehung von Technik und Kontrolle sowohl auf einer allgemeinen Ebene befassen, als auch auf konkrete Technologien eingehen (bspw. KI, soziale Robotik, Drohnen, FinTech). Daneben sind wir sehr an Beiträgen interessiert, welche epistemische und normative Fragestellungen verknüpfen. Beim Abstract (ca. 300 Wörter) sollten sowohl die thematische Ausrichtung, als auch die argumentative Struktur ersichtlich sein. Wir bitten um die Einsendung von Abstracts bis zum 22. Juni 2017 an Thomas Grote (thomas.grote(at)uni-tuebingen.de).

Das Ergebnis der Auswahl wird innerhalb einer Woche nach der Deadline bekanntgegeben.
Die ausgewählten ReferentInnen müssen sich für die Tagung für Praktische Philosophie registrieren. Die Registrierungsgebühr beträgt 30 € und beinhaltet neben Kaffee und Kuchen in den Pausen auch einen Mittagssnack. Wir bemühen uns momentan um zusätzliche finanzielle Mittel, um ReferentInnen, die kein Reisekostenbudget haben, zu bezuschussen. Weitere Informationen finden Sie unter dem folgenden Link: http://www.tagung-praktische-philosophie.org/

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Termin:

1. Juli

 

Beziehungsweisen. Relationen in Philosophie und Theologie
  Was uns für uns wichtig ist, sind nicht nur unsere intrinsischen Eigenschaften, sondern auch die Beziehungen, in denen wir zu anderen stehen. Beziehungen oder, wie sie auch genannt werden, Relationen, gehören zum Grundinventar der Welt. Der Workshop möchte ein Forum zur Diskussion von philosophischen und theologischen Positionen zur Theorie der Relationen bieten und ihre philosophische und theologische Relevanz erheben. Mögliche Themen sind z.B.: * Mehrstellige Prädikate und relationale Entitäten * Formalontologische Relationen * Relationen und Personalität * Relationen und Zeit * Kausalität als Relation * Sorge, Liebe und andere soziale Beziehungen * Relationen und die Rede von Gott * Gottes Beziehung zu seinen Geschöpfen * Relationen und Trinität * Historische oder interkulturelle Beiträge Wir bitten interessierte Teilnehmer, uns bis zum 1. Juli 2017 ein Abstrakt von 1-2 Seiten an die E-Mail-Adresse ph-th@rub.de zukommen zu lassen. Über die Annahme der Vorträge werden wir bis zum 10. Juli entscheiden. Kontakt: Carmen Carnein, ph-th@rub.de
  E-Mail Adresse für Einreichungen: ph-th@ruhr-uni-bochum.de
Deadline: 01.07.2017
Call-Bezeichnung: Call for Papers
Ort: Bochum
Datum: 11.08.2017
Uhrzeit: 09:00 Uhr
Ende: 11.08.2017 16:00
Veranstaltende Institution: Philosophisch-Theologische Grenzfragen, RUB

 

 

Termin: 1. Juli

Empirical Research and Normative Theory
Transdisciplinary perspectives on the integration of two methodical traditions
between is and ought
Collective Volume and Workshop (September 28 to 29, 2017, University of Oldenburg)
For a while philosophy and empirical research used to go hand in hand. But around the time of
the emancipation of individual disciplines of science they entered a stage of a formidable and by
no means unambiguous relationship. This holds true in particular for questions of practical
philosophy: In the last decades different scientific disciplines began to show intensified interest in
empirical endeavors on a descriptive understanding of morals – psychology for example
investigates how emotions and intuitions influence our theory construction of morals, behavioral
economics examine the effect of morals on rational decision making, anthropology deals with the
reconstruction of historic origins of our moral traits, primate research looks for the foundation
stones of our morals in our nearest relatives, and social sciences investigate preferences on
questions of distributive justice. The list goes on. Nonetheless, up to this point there is nearly no
integration of classical normative theory on the one hand and this widening empirical research on
the other hand.
This methodological and contentual separation, though established, does not have to be
desirable. Moreover, a conjunction of the insights and methods of both approaches can seem
fruitful, as might be implied by the recent success story of interdisciplinary and transdisciplinary
research. Contrary to the verdict of a strict segregation of is and ought there are various attempts
of an integration of both theoretical approaches. This calls for a discourse on the definition of the
relation of empirical research and normative theory. Several propositions have been made in recent
times on how to define this convoluted relation.
The workshop aims to discuss possible definitions from an inter- or transdisciplinary point
of view. If you want to present a speech in English or German from about 30 to 45 minutes, please
send a proposal of about 500 to 1.000 words by June 15, 2017, to alexander.max.bauer@unioldenburg.
de together with a short curriculum vitae. We will inform you of our decision by the end
of June.
For a transdisciplinary collective volume on the topic, we accept – independent from your
attendance to the workshop – papers and essays from a historic or systematic perspective on the
topic as well as exemplary applications, not limited to a philosophical point of view. Therefore,
please send a draft (preferably in English, German is also accepted) of your paper – containing
additionally an abstract of about 500 words – by July 1, 2017, to alexander.max.bauer@unioldenburg.
de, we will inform you of our decision by the end of August.
Contact: Alexander Max Bauer
University of Oldenburg
Institute of Philosophy
26111 Oldenburg
Germany
mail: alexander.max.bauer@uni-oldenburg.de
phone: +49 152 343 899 25
fax: +49 441 798 4397

 

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Termin: 1. Juli

Call for Papers


Autumn School
Kultur als zweite Natur?
des Clusters I „Kultur und Lebensform“ des Forschungsschwerpunktes
„Kulturelle Orientierung und normative Bindung“
der Universität Koblenz-Landau


Ralf Becker (Philosophie), Christian Bermes (Philosophie), Jürgen Goldstein (Philosophie)
16.–18. Oktober 2017 Kurhaus Trifels, Annweiler am Trifels


Die Autumn School richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler
(Doktorandinnen/Doktoranden, Post-Doktorandinnen/-Doktoranden) aus den Bereichen
Pädagogik, Philosophie und Soziologie sowie angrenzenden Disziplinen, die Forschungsvorhaben
rund um die Begriffe „Kultur“, „kulturelle Praxis“, „Handeln“ und „Verbindlichkeit“
verfolgen und Interesse haben, ihre Überlegungen anhand eines Vortrags mit
ausgewiesenen Fachvertreterinnen und -vertretern zu diskutieren.
Die Rede von der „zweiten Natur“ kann Verschiedenes bedeuten. Eine Verwendungsform
geht auf Aristoteles zurück, der Gewohnheiten als unsere zweite Natur charakterisiert. In
diesem Sinne sagen wir auch alltagssprachlich, dass uns eine Handlungs- oder Herstellungsweise
in „Fleisch und Blut“ übergegangen sei. Und tatsächlich bewegen wir uns alltäglich
innerhalb von selbstverständlichen Verbindlichkeiten, indem wir unseren Alltag bewältigen
und gestalten. Damit eröffnet dieses Verständnis einen Blick sowohl auf kulturelle Praktiken
und deren Verbindlichkeit sowie auf die generelle Bedeutung kultureller Orientierung, indem
wir alltäglich impliziten Normen folgen.
Ein weiterer Gebrauch steht in der Tradition von Hegel und Marx und eröffnet eine Gegenüberstellung
der Begriffe „Kultur“ und „Natur“. Demnach ist die zweite Natur die bearbeitete
erste Natur. Die Philosophische Anthropologie des 20. Jahrhunderts findet im Resultat
dieser Arbeit die Kultur als Inbegriff des von Menschen Hervorgebrachten. Für Arnold Gehlen
ist die Kultur die Kompensationsleistung für die bloß mangelhafte Ausstattung der
menschlichen Natur: Der Mensch muss selbst für das aufkommen, was ihm die Natur versagt.
Nach Plessner ist der Mensch von Natur aus auf Kultur angelegt, weil er als exzentrisches
Wesen sein Leben führen muss und sich so erst zu dem macht, der er ist. Schließlich
wären noch die Versuche im Ausgang von der Evolutionstheorie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
zu nennen, menschliche Kulturleistungen naturgeschichtlich aus einer „Vorgeschichte
der Moral“ herzuleiten.
Die Ableitung der menschlichen Kultur mit ihren Normen, Handlungs- und Lebensformen
sowie Institutionen aus einem (bloß gedachten oder rekonstruierten) Naturzustand wirft
Fragen auf, denen sich die Autumn School widmen möchte. Das grundsätzliche Problem lautet,
ob (und gegebenenfalls wie) eine Naturgeschichte der Kultur überhaupt vernünftigerweise
konstruiert werden kann. Überdies lohnt es sich, den Spieß umzudrehen und zu fragen,
weshalb das von Menschen Gemachte als etwas Naturgegebenes aufgefasst wird. Möglicherweise
erweist sich, wie bereits Adorno bemerkt, die zweite Natur als die in Wahrheit
erste. Wenn wir geschichtlich und gesellschaftlich Hervorgebrachtes als Natur ansehen, erzeugen
wir nach Roland Barthes Mythen. Die Naturalisierung von Normen und Institutionen
entzieht diese der Kritik. Außerdem fällt auf, dass der Begriff der Natur unbestimmt zumeist
als selbstverständlich vorausgesetzt wird, was er keineswegs ist. Was ist eigentlich so attraktiv
daran, Kultur in irgendeiner Hinsicht als (erste oder zweite) Natur zu begreifen? Wie verhält
sich die Konstellation „erste und zweite Natur“ angesichts der alltäglich vollzogenen
kulturellen Praktiken und der Selbstverständlichkeit kultureller Orientierung?
Ihre Antworten auf den Call for Papers mit bis zu 500 Worten senden Sie bitte bis zum
01.07.2017 an schimmer@uni-landau.de. Sie bekommen von den Veranstaltern der Autumn
School bis zum 31.07.2017 eine Rückmeldung auf Ihre Einsendung.
Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen.
Weitere Informationen zu den Veranstaltern und ihrer Zusammenarbeit finden Sie unter
www.kulturelle-orientierung.de
Für Rückfragen können Sie sich jederzeit an Thomas Schimmer, Koordinator des Forschungsschwerpunktes
am Campus Landau, wenden: schimmer@uni-landau.de, Telefon: 06341 /
28032282.

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Termin: 15. Juli

Call for Papers

   

 

 

Die Sektion Wirtschafts- und Sozialwissenschaft der Görres-Gesellschaft veranstaltet am 23. und 24. November 2017 in Augsburg ihren 

 

5. Workshop zur Wirtschaftsethik

 

für jüngere Wissenschaftler/-innen (Doktoranden, Post-Docs, Habilitanden). Nachwuchswissenschaftler/-innen soll hier die Gelegenheit geboten werden, ihre Forschungsarbeiten aus dem Themengebiet der Wirtschafts- und Unternehmensethik vorzustellen und diese mit den Teilnehmern der Tagung zu diskutieren. Auf diesem Workshop wird der mit insgesamt 2.000 € dotierte Best Paper Award Wirtschaftsethik der Görres-Gesellschaft vergeben. Der Preis kann ggf. geteilt werden.

Bewerbungsverfahren:

Bitte reichen Sie ein Abstract (200 – 300 Wörter) oder Ihren vollständigen Beitrag (4.500 – 6.000 Wörter) sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 15. Juli 2017 per Email an wirtschaftsethik(at)ku.de ein. Sie werden nach der Bewerbungsfrist benachrichtigt, ob Ihr Beitrag in die engere Auswahl aufgenommen wurde. In diesem Fall reichen Sie bitte ein publikationsfähiges Manuskript bis zum 15. September 2017 ein. Sie werden anschließend umgehend darüber informiert, ob Sie Ihren Beitrag auf dem Workshop präsentieren können. Nähere Informationen zum Workshop und zur Görres-Gesellschaft finden Sie unter www.ku.de/wwf/ethik/goerres.

Der Workshop wird geleitet von:

Prof. Dr. Jörg Althammer, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
joerg.althammer@ku.de 

Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Universität Siegen
goldschmidt@wiwi.uni-siegen.de

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Termin: 15. Juli

Call for paper
Workshop an der Freien Universität Berlin


Kritiken des Leidens


Organisation: Erika Benini
10.-11.11.2017
Das leibhafte Moment meldet der Erkenntnis an, daß Leiden nicht sein, daß es anders werden solle […]. Die
Abschaffung des Leidens, oder dessen Milderung hin bis zu einem Grad, der theoretisch nicht vorwegzunehmen,
dem keine Grenze anzubefehlen ist, steht nicht bei dem Einzelnen, der das Leid empfindet, sondern allein
bei der Gattung, der er dort noch zugehört, wo er subjektiv von ihr sich lossagt und objektiv in die absolute
Einsamkeit des hilflosen Objekts gedrängt wird.
[Negative Dialektik., GS 6, S. 203]
Ziel des Workshops ist, eine erneute Reflexion über das Leiden für eine kritische Diagnose der
Gegenwart anzuregen. Voraussetzung wäre, dass, obwohl das Leiden eine der individuellsten
Erfahrungen ist, es nicht als etwas bloß Subjektives gedacht wird. Es zeigt eine objektive Wahrheit
bzw. eine objektive Beziehung zur Realität, die eine kritische Analyse der Gesellschaft nicht
vernachlässigen darf.
Leiden ist zweifellos eines der zentralen Themen des menschlichen Lebens, das aber in der
Philosophie nur am Rande vorkommt (entscheidende moderne Ausnahmen sind Schopenhauer und
Nietzsche), und über das sich die philosophischen Kontroversen nie einig waren. Sowohl
anthropologisch als auch gesellschaftlich ist es tatsächlich schwierig, dem Leiden eine Stellung,
einen Sinn, eine Bedeutung zu geben. Wozu leiden wir?
Die idealistische Philosophie hat, ähnlich wie die manche Religion, das Leiden in einen geistigen
oder geschichtlichen Plan eingebettet. Bei Hegel widerspricht das individuelle Leiden nicht dem
geschichtlich parallel verlaufenden Fortschritt von Denken und Wirklichkeit. In diesem Sinn wird
das Leiden in der allgemeinen Perspektive der Geschichte des Geistes als Motor des Fortschritts
berücksichtigt (wie etwa im unglücklichen Bewusstsein). Aber Hegel unterscheidet die
Wirklichkeit, die vernünftig ist, von der bloß vergänglichen, unvernünftigen Existenz, und stellt
diese Wirklichkeit zudem als das eigentliche Geschichtsfeld dar.
Das wird in aktuellen Debatten ab dem 20. Jahrhundert (siehe Heidegger, Jaspers, Sartre usw.)
kritisiert, wobei das Leiden zunehmend an Relevanz gewinnt. Die gegen Hegel gerichteten
Versuche, Leid als existenzielle Erfahrung des menschlichen Lebens in die theoretische Reflexion
einzubeziehen, entspricht der Tendenz, die Erfahrungen von Leid und Schmerz von ihren
historischen wie gesellschaftlichen Gründen zu dispensieren, bzw. individualisiert zu betrachten.
Dieses Verständnis hat in aktuellen phänomenologischen wie anthropologischen Theorien immer
mehr an Gewicht gewonnen: Leiden wird oft nur in seinen individuellen Erscheinungsformen
untersucht, seine Unsinnigkeit durch eine vermeintlich ursprüngliche und unvermeidbare Struktur
des ,Menschseins‘ bzw. der conditio humana abgemildert.
Diese Tendenz steht im Einklang mit der gesellschaftlichen Tendenz des Spätkapitalismus: Wenn
Verletzlichkeit heutzutage eine höhere Aufmerksamkeit als je zuvor erfährt, wird folgende
Paradoxie erlebt: Obwohl diese Erfahrung gesellschaftlich akzeptierter ist, wirkt sie dennoch bloß
individuell und hat keinerlei gesamtgesellschaftlichen Anspruch. Das Leiden wird privatisiert und
gleichzeitig immer stärker sozial verwaltet (etwa in Analysen von Experten, durch neue Namen für
psychische Krankheitsbilder und Studien über Störungen etc.). Nicht nur wird unproblematisch das
Faktum akzeptiert, dass es trotz aller technologischer Fortschritte und aller sozialer Verbesserungen
nach wie vor in unserer Gesellschaft so ist, dass Menschen leiden, sondern Schmerzerfahrung ist
quasi zum Substitut der Individualität einer Person geworden und beansprucht nicht weniger – aber
auch nicht mehr – als eine neue Grundlegungsfunktion des privaten Subjekts.
Innerhalb der aktuellen Analysen über das Leiden hat die Schmerzerfahrung an Bedeutung
gewonnen. Das ist das unbestrittene Verdienst der Phänomenologie (Merleau-Ponty, Levinas). Nicht
nur scheint im körperlichen Schmerz das Leiden direkter zu sein, sondern das Nachdenken vom
Leiden schließt die Möglichkeit ein, eine absolute Unvergleichbarkeit einer somatischen
(leiblichen) Erfahrung einzuräumen und damit das je Besondere zu betonen. Wenn die
Phänomenologie grundsätzlich die Fragestellung vertieft, wie wir – leiblich strukturiert –
Schmerzen erfahren können, bleibt dennoch zu erklären, unter welchen gesellschaftlichen
Bedingungen unsere leiblichen Erfahrungen in einer bestimmten Weise strukturiert werden.
Der Workshop soll dazu dienen, die soziale Dimension der individuellen Schmerzerfahrung mit
ihren komplexen – sowohl theoretischen als auch praktischen – Implikationen zu berücksichtigen.
Anders gesagt: Mit der strategischen Fokussierung auf die einzelne, nicht generalisierbare
Erfahrung, die ein Subjekt erleidet, müssen die (widersprüchlichen) Aspekte der Realität (bzw. der
Gesellschaft) als objektive Wahrheit gefunden werden.
Die Themenbereiche des Workshops sind:
(a): Die Beziehung des Leidens zur Geschichte und Gesellschaft
Fragestellungen: Wie kann ein erneutes Verständnis des vergangenen Leidens ein Potential für das
Verständnis der Gegenwart anbieten?
Ist das Leiden als das Vergessene der Geschichte zu lesen, um das Leiden in der Gegenwart
vermeiden zu können?
Welche sind die sozial konstruierte Vorstellungen des Leidens in unserer Gesellschaft und warum
bestimmen sie unsere Gesellschaft
(b) Das Leiden und die Schmerzerfahrung
Fragestellungen: Wie ist die Schmerzerfahrung phänomenologisch, medizinisch, psychologisch zu
bestimmen?
Wie ist unsere Wahrnehmung des eigenen Schmerzes sozial adressiert?
Was bedeutet es, die Schmerzen der Anderen wahrzunehmen? Ist das grundsätzlich möglich?
Warum werden nicht alle Schmerzen (gleich) wahrgenommen?
Abstracts (1-1,5 Seiten) werden bis zum 15.07.2017 erbeten (Adresse: erikabenini00@gmail.com).
Aus der Veranstaltung sollen Beiträge zu einem Sammelband (Ende 2018) hervorgehen.

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Termin: 16. Juli

Call for Papers

Politische Meinungsverschiedenheiten

Humboldt-Universität zu Berlin
30.–31.10.2017
Deadline für Einreichungen: 16.07.2017

In politischen Fragen bestehen zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, sowohl hinsichtlich konkreter politischer Inhalte (policy) als auch hinsichtlich politischer Machtverteilung. Die Konferenz "Politische Meinungsverschiedenheiten" hat das Ziel, Perspektiven der Philosophie (Erkenntnistheorie, Politische Philosophie) und Politischen Theorie auf Meinungsverschiedenheiten zu verbinden. Forscherinnen und Forscher aus beiden Disziplinen sind herzlich eingeladen, Vorträge einzureichen.

Eingeladene Vorträge
André Bächtiger (Stuttgart)
Klemens Kappel (Kopenhagen)
Fabienne Peter (Warwick)
Kai Spiekermann (LSE)

Politische Meinungsverschiedenheiten lassen sich in der Regel weder durch zwingende Argumente noch durch Einholen weiterer Informationen auflösen. Andererseits besteht gerade in politischen Angelegenheiten erhöhter Entscheidungsdruck; trotz Dissens müssen politische Organe Entscheidungen fällen, die das Leben zahlreicher Menschen bestimmen. Politische Meinungsverschiedenheiten herrschen oft auch unter epistemisch ebenbürtigen Personen (epistemic peers), die mit den einschlägigen Argumenten und Belegen gleichermaßen vertraut sind und über ähnliche Kompetenzen verfügen. Die Philosophie und die Politische Theorie stellt dies vor verschiedene Herausforderungen, die in der Konferenz behandelt werden sollen:

  • Rawls zufolge kommt es in der Politik häufig zu "vernünftigen Meinungsverschiedenheiten". Demnach können einander widersprechende politische Positionen gleichermaßen gerechtfertigt sein. Diese Annahme ist in der Politischen Theorie weit verbreitet, sie kann aber aus erkenntnistheoretischer Perspektive problematisiert werden. In den vergangenen Jahren gab es eine lebhafte Debatte über Meinungsverschiedenheiten unter epistemisch ebenbürtigen Personen (peer disagreement). Einige Autoren vertreten die Auffassung, dass es für ebenbürtige Personen nicht vernünftig sei, auf divergierenden Standpunkten zu beharren; vielmehr müssten sie sich konziliant in der Mitte treffen.
  • Epistemische Demokratietheorien rechtfertigen die Demokratie damit, dass sie häufiger als jede andere Regierungsform zu richtigen Entscheidungen führe. Angesichts weit verbreiteter politischer Meinungsverschiedenheiten ist es jedoch fraglich, ob der Verweis auf vermeintlich bessere bzw. vernünftigere Ergebnisse die angenommene Begründungsleistung für Entscheidungsregeln vollbringen kann.
  • Entscheidungsverfahren wie die Mehrheitsregel werden oft mit dem Hinweis auf Werte wie Fairness gerechtfertigt. Es stellt sich aber die Frage, ob dieses Mittel zur Überwindung von Meinungsverschiedenheiten als epistemisch gerechtfertigt gelten kann. Die moralische und die erkenntnistheoretische Dimension politischer Meinungsverschiedenheiten könnten also mitunter in unterschiedliche Richtungen weisen.

Wenn Sie einen deutsch- oder englischsprachigen Vortrag zu einem der genannten oder einem verwandten Thema halten möchten, schicken Sie uns bitte bis 16.07.2017 ein anonymisiertes Abstract im Umfang von 500 bis 1.500 Wörtern, aus dem die zentralen Thesen und Argumente Ihres Vortrags hervorgehen. Senden Sie es bitte als PDF-Datei an Frau Kerstin Helf, E-M

Termin: 31. Juli

Philosophische Anthropologie und ihr Verhältnis zu den
Wissenschaften der Psyche. Ein französisch-deutsches Prisma


Eine philosophie- und wissenschaftsgeschichtliche Tagung des Instituts für Philosophie der
Universität Potsdam und der Deutschen Gesellschaft für französischsprachige Philosophie
Ort: International Psychoanalytic University (IPU), Stromstr.2, 10555 Berlin
Datum: 19.-21.02.2018 (Montag bis Mittwoch)
Konzeption und Organisation: Thomas Ebke (Potsdam), Sabina Hoth (Berlin)
Kontakt: thomas.ebke@gmx.net; s.hoth@fu-berlin.de

Teilnahmebedingungen
Die Einsendung von Abstracts (1-1,5 Seiten) wird erbeten bis zum 31.07.2017. Die
Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch. Eine Zuordnung zu einem der im Exposé
unterschiedenen thematischen Teilbereiche ist ausdrücklich erwünscht. Aus der Tagung sollen
Beiträge zum Internationalen Jahrbuch für Philosophische Anthropologie (de Gruyter)
hervorgehen, die in für die Publikation ausgearbeiteter Form bis zum 31.07.2018 vorliegen
müssen. BewerberInnen werden gebeten, die Möglichkeiten zur Übernahme der Reise- und
Übernachtungskosten durch Universitätsinstitute (Dienstreisen), Stiftungen usw.

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Termin: 31. Juli

6. Berliner Kant-Kurs mit Robert Stern - Kant’s Ethics: Value and Obligation

Wann 06.07.2017 bis 08.07.2017 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
   

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Termin: 31. Juli

Tradition und Fortschritt in der Kritischen Theorie und der Philosophischen Anthropologie


Ort: Institut für Philosophie, Campus Neues Palais, Universität Potsdam
Datum: 21.-23. September 2017 (Donnerstag bis Samstag)
Organisatoren: Dr. Sebastian Edinger (Potsdam), Guido K. Tamponi (Potsdam)
Kontakt: Edinger[at]uni-potsdam.de, Tamponi[at]uni-potsdam.de
Deadline: 31.07.2017

Tradition und Fortschritt sind keine Begriffe aus der philosophischen Reliquienkammer, deren man sich historisch und gesellschaftlich überhoben wähnen kann. Wir leben in und aus Traditionen, die im Strom des Fortschritts ausgehöhlt werden, an dem wir mindestens passiv partizipieren und der die Lebenswelt zu Lebenswelten fragmentiert. Verschiedene Generationen leben innerhalb einer Lebenswelt in verschiedenen Lebenswelten, und selbst autobiographisch werden wir in der rasanten Veränderung durch verschiedene Lebenswelten hindurchgeschleift, sofern wir unser Leben nicht entsprechend zu gestalten vermögen. Autobiographisch erfahren wir die Auflösung einer homogenen Lebenswelt insofern, als wir – je nachdem, welche Innovationen wir uns auf welche Weise aneignen – in einer generationellen Asynchronizität zu unserer kalendarischen Generationszugehörigkeit existieren können. Traditionen scheinen in diesen Ungleichzeitigkeiten und deren optionaler Potenzierbarkeit qua Lebensgestaltung eine verschwindende, bloß biographisch fundierende Rolle zu spielen in Form der Erziehung, die uns an traditionelle Sittlichkeitsformen erinnert. Dem Fortschritt hingegen kommt eine normative Macht des Faktischen zu, dessen soziales Druckpendant der Zwang eines Up-to-date-Seins (Fitness-Tracker, Dauerpräsenz und -erreichbarkeit bei WhatsApp etc.) ist, welches das Stellen von Sinn- und Gestaltungsfragen nicht selten erfolgreich suspendiert.
Neben diesem altbekannten, selber schon zu einer Traditionsschicht des Alltags sedimentierten progressistischen Druck des Technik-Marketing-Komplexes, der Politik und den Einzelnen vor sich hertreibt, indem er jede Innovation (wie beispielsweise das cloud computing) als Amelioration zelebriert, denen sich nur die dem Überkommenen Verschriebenen, und dies letztlich allein aus irrationaler Anpassungsschwäche heraus, verweigern könnten, gesellte sich inzwischen eine intensivierte, primär politische Problemlage hinzu, die die Dyade von Tradition und Fortschritt noch mehr in diskursiv spannungsgeladener Polemik zum Glühen und mit ihr das soziale Sentiment zum Schwitzen bringt: So drohen sich immer mehr die europäischen Gesellschaften anhand ebendieser Linie im Rahmen der Migrationskrise zu zerklüften, indem sie sich gegenseitig einerseits als ewiggestrige „Rechtspopulisten“, die in die Vergangenheit homogener Nationalstaaten zurück wollten, oder aber andererseits als naive „Gutmenschen, die in die Zukunft der Auflösung des Nationalstaats hin zur globalistischer Nivellierung voranschreiten wollten, verschreien.
Derart aktuell und aufdrängend erweist sich das Austarieren von Traditionsbestandswahrung und Fortschrittsfortschreiten – und doch ist es keineswegs exklusives Signum unserer Zeit. Blickt man auf die der Wende zum 20. Jahrhundert und die folgenden Jahrzehnte zurück, so stellt man fest, dass dieses Thema bereits dort, am blaupausenartigen Anfang der Schneise der schöpferischen Zerstörung der „modernen“ technischen und politischen Veränderungen, innerhalb des philosophischen Diskurses besondere Beachtung und, gemessen am Heute, gar noch stärkere theoretische Interventionen erfuhr. Dies gilt sowohl für die Philosophische Anthropologie als auch für die Kritische Theorie, die beide von einer Verhältnisbestimmung von Tradition und Fortschritt in Atem gehalten wurden.
Dadurch wird das Anliegen der Tagung als ein zweifaches ermöglicht: Entgegen dem schulisch-immanent kultivierten (Vor-)Urteil, es handele sich bei beiden Denktraditionen wenn nicht gar um Kontrahenten, so doch, bedingt durch ihre verschiedenen Ausgangspunkte – die darwinistische bzw. kapitalistische Revolution, Natur bzw. Gesellschaft – um disparate Theoriekomplexe, sollen hier vielmehr die systematische Konfrontation und Annäherung eingeübt und Brückenschläge unter Ansetzung des Verhältnisses von Tradition und Fortschritt als tertium comparationis gewagt werden. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, wie und ob beide zu unserem zeitgenössisch sich darstellenden Problemhorizont zur Verhandlung von Tradition und Fortschritt etwas beitragen können. Denn im Gegensatz zur feuilletonistisch und politisch betriebenen Zuspitzung des Doppels zu einem Entweder-Oder vertritt kein ernsthafter Philosoph und damit auch niemand der relevanten Autoren der Philosophischen Anthropologie und Kritischen Theorie einen derartigen Simplizismus. Grundsätzlich hat damit jede Frage immer auf die Bestimmung und Austarierung des Verhältnisses beider Pole zu schauen.
Eine Reihe spezifischer Motive und Fragen, anhand derer das Verhältnis von Tradition und Fortschritt in einer die Denkströmungen übergreifenden Weise bearbeiten ließen, wären dabei zum Beispiel:
- In Bezug auf die Rolle der Technik im Verhältnis von Tradition und Fortschritt drängen sich im historischen Zugriff Fragen auf wie die folgenden: Wird die Technik in beiden Denkströmungen in linear antagonistischer Weise zur Tradition konzipiert? Ist das Verhältnis zur Technik in der Kritischen Theorie tendenziell kulturpessimistischer Natur? Begreift die Philosophische Anthropologie die Technik als historisch-gesellschaftliches Problem und/oder als eine in der conditio humana selbst gründende Erweiterung des Menschen über ihn selbst hinaus (der homo creator als homo protheticus)? Systematisch von der Gegenwart her gefragt: Was bedeuten aktuelle technische Entwicklungen in der
Gentechnik? Stellt das konsequent zu Ende gedachte Internet der Dinge die totalisierende Transformation virtueller Präsenz zu einem actus purus für die conditio humana dar, und was bedeuten solche Entwicklungen für die Frage nach einer menschlichen Einrichtung der Gesellschaft, z.B. auch unter den visionären Vorzeichen des Transhumanismus, der eine Überwindung der Sterblichkeit und Leiblichkeit für möglich hält und anzustreben vorgibt? Lässt die Technik sich noch wie bei Adorno als „Inbegriff von Mitteln“ bestimmen oder bildet sie gerade eine für uns unverfügbar gewordene Wirklichkeitsmacht, in deren Verfügungsbereich wir selber geraten sind?


- Wie verhält sich der Verbindlichkeitsstatus der Naturwissenschaften in beiden Denkströmungen im Hinblick auf deren Theoriebildung im Verhältnis zum Einfluss der philosophischen Tradition auf dieselbe? Machen die Entwicklungen der Naturwissenschaften in den letzten Jahrzehnten konzeptuelle anthropologische Revisionen zwingend erforderlich und, wenn ja, welche? Erweist sich der Integrationsanspruch der Philosophischen Anthropologie als legitim oder gerät sie selbst in den Sog von Tradition und Fortschritt und, wenn ja, gerät sie dabei ironischerweise zugleich unter die Räder einer historisierend-kritischen Auffassung ihrer durch die Kritische Theorie?


- Es liegt nahe, die Religion aufgrund ihrer konservativen Verfassung als Statthalter des Traditionellen gegenüber dem Fortschritt aufzufassen. Entspricht die theoretische Bestimmung der Religion, insbesondere das Christentums als Identitätskonstituens des westlichen Abendlandes, dieser Intuition? Wird die Religion als Opfer oder mögliches Korrektiv des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts aufgefasst? Wie in sich homogen ist die Kritik der Religion, welche die Philosophischen Anthropologie und der Kritischen Theorie, enthalten? Sind ihr Wesen, ihre Möglichkeiten und Grenzen im Hinblick auf das Verhältnis von Tradition und Fortschritt differenzierter zu bestimmen als bisher? Welcher Traditionen bedarf es, welche können dem „Fortschritt“ nicht geopfert werden, damit es Fortschritt als solchen überhaupt geben kann?


- Wie gehen beide Denkströmungen mit dem Verhältnis von Tradition und Fortschritt geschichtsphilosophisch um? Hier wäre z.B. zu bedenken, dass der Wohlfahrtsstaat von Gehlen nicht als stationäre historische Realität, sondern als geschichtsphilosophisch gewordener Mechanismus angesehen wird. Auch die Kategorie des Lebensstandards spielt eine zentrale Rolle bei Gehlen – ebenso wie der Begriff des Banns bei Adorno, dem allerdings die flächendeckende Steigerung des Lebensstandards im Westen ebenfalls nicht verborgen geblieben ist. Wie gehen beide Ansätze mit der Ambivalenz von Fortschritten um, welche philosophische Valenz konzedieren sie diesen?
- In welchen Bereichen menschlicher Praxis lässt sich von Fortschritt überhaupt sinnvoll sprechen? In welchen Bereichen sollte von ihm gesprochen werden? Was ist der Bezugspunkt, der Fortschritt „messen“ lässt? Gibt es unterschiedliche Formen von Fortschritt neben dem der „Wissen ist Macht“-Ableitungen und -Übertragungen, die der technischen Beherrschung qua naturwissenschaftlicher Einsicht entspringen und die damit im Bereich der Moral greifen können, ohne den Menschen in seiner Sittlichkeit zu einer positivistisch-quantifizierten Zerrbild seiner zu machen? Die Frage nach Tradition und Fortschritt bspw. auf die Philosophische Anthropologie und die Kritische Theorie selbst angewandt: Gibt es einen Fortschritt in der Philosophie, der legitimerweise so genannt werden kann und Verabschiedungs- oder Überwindungsgesten rechtfertigt? Bilden die Kritische Theorie und die Philosophische Anthropologie etwa einen Fortschritt gegenüber Hegel oder Marx? Gibt es – Marx heuristisch als Paradigma kritischer Theorie aufgefasst – Fortschritte innerhalb von Paradigmen oder stellen Fortschritte eher die Überwindung aporetischer oder aporetisch gewordener Paradigmen dar? Können wir an die Philosophische Anthropologie und/oder die Kritische Theorie systematisch anknüpfen oder stellen beide/eine von beiden Strömungen selber Traditionen dar, die einen Fortschritt im Sinne ihrer Überwindung erheischen?
- Zuletzt sollen hier auch Fragen nach dem Verhältnis beider Denkströmungen zu anderen zeitgenössischen Ansätzen nicht ausgespart werden, die ebenfalls Gewichtiges zum Verhältnis von Tradition und Fortschritt zu sagen haben. Als konkurrierende Alternativentwürfe wären z.B. Poppers Konzept der offenen Gesellschaft, das liberale Gesellschaftsmodell Ralf Dahrendorfs oder die politische Philosophie Hannah Arendts und ihrer Unterscheidung von Arbeiten, Herstellen und Handeln heranzuziehen. Es lässt sich grundsätzlich fragen, wie ausgewählte Vertreter beider Schulen die Gewichtung und die Verortung für sich und gegen andere zeitgeistige vorgenommen haben und dies aus welchen Gründen?
Wir bitten bei Einsendungen von Abstracts im Umfang von ca. 500 Wörtern bis zum 31. Juli 2017 ausdrücklich um eine Berücksichtigung des Verhältnisses der Philosophischen Anthropologie und der Kritischen Theorie zueinander; grundsätzlich wollen wir auch explizit akademischen Nachwuchs zur Bewerbung ermuntern, welcher bisher keine bis kaum Tagungserfahrung sammeln konnten. Gleichwohl sei angemerkt, dass Reise- und Übernachtungskosten nicht übernommen werden können, sodass um Ausschöpfen diesbezüglich anderweitiger Möglichkeiten (Institute, Stipendien etc.) gebeten wird. Des Weiteren besteht das sich an die Tagung anschließende Ziel einer Veröffentlichung von Beiträgen in einem Sammelband.
Einsendungen von Abstracts gehen an:
Edinger[at]uni-potsdam.de
Tamponi[at]uni-potsdam.de

 

 

 

Termin: 15. August

 

41. Kölner Mediaevistentagung
10.–14. September 2018 DieBibliothek
Denkräume und
Wissensordnungen


Im digitalen Zeitalter scheint uns langsam, aber unaufhaltsam die Erfahrung
dessen zu entgleiten, was einmal eine Bibliothek war: ein Zugang zu einer beträchtlichen,
aber begrenzten Menge an Büchern, die nur an einem bestimmten
Ort, zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Bedingungen verfügbar
waren; eine gewissen Kriterien unterliegende Sammlung, die einer sinnvollen und
feststehenden Ordnung bedarf, damit dort überhaupt etwas gefunden werden
kann. Alle diese Einschränkungen des unmittelbaren Zugriffs auf jedes beliebige
Buch werden angesichts globaler Suchmaschinen und weit ausgreifender Suchalgorithmen
mehr und mehr aufgehoben. Wie sehr sich dadurch unsere Lese- und
Arbeitsbedingungen praktisch verändern, erfahren wir jeden Tag. Welche Folgen
sich daraus für unsere Konzeptionen des Wissens und Forschens ergeben, ist
jedoch allenfalls erst in vagen Umrissen erkennbar.
Wenn wir also die Bibliothek zum Thema einer Mediaevistentagung machen,
dann geschieht dies in der Absicht, durch die Untersuchung der Frage, wie sich
Bibliotheken in ihren verschiedenen Gestalten und Erscheinungsformen in die
intellektuellen Prozesse und ihre sozialen und materiellen Bedingungen einfügten
und in diese hineinwirkten, auch etwas Grundsätzliches über das Verhältnis von
Bibliothek und Wissen zu erfahren, das unsere Reflexion über die aktuellen Umbrüche
sowie allgemeiner über die Bedingungen und Mechanismen der Erkenntnis
zu schärfen vermag. Wir betrachten hierzu – gemäß dem Rahmen unserer
Tagung – ein Jahrtausend, in dem Bibliotheken eine bedeutende Rolle für die Weitergabe
des Wissens über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg zukam. Bibliotheken
waren Orte, an denen gedacht und geschrieben, übersetzt und kopiert wurde.
DieBibliothek
Denkräume und
Wissensordnungen
41. Kölner Mediaevistentagung
10.–14. September 2018
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Denn eine Bibliothek ist nicht bloß eine Ansammlung von Büchern, die auf ihre Nutzer warten. Bibliotheken sind Räume des Denkens und Institutionen geordneten Wissens. Sie spiegeln die Fragen ihrer Zeit und bewahren sie auch für künftige Zeiten. Sie sind demnach privilegierte Orte der Teilhabe an jenem Wissen, zu dem wir mit unseren Büchern selbst etwas beitragen. Schon früh wurden die medialen Träger des Wissens an Orten gesammelt, an denen sie aufbewahrt, studiert und vervielfältigt werden konnten. Dies waren Archive aller Art und vor allem Bibliotheken. Diese gewährten und gewähren je nach Größe und Konzeption Zugang zu einer bestimmten und zugleich begrenzten Menge an medialen Trägern von Wissen: seien es Schriftrollen, Urkunden, Handschriften oder Bücher, Mikrofilme oder Datenbanken.
Im Begriff der Bibliothek zeigt sich die Interdependenz von ideeller und materieller Kultur, die Verflechtung von Wissensgeschichte und institutionellen Kontextbedingungen. Am Anfang aller großen Rezeptionsbewegungen stehen Bücher oder Textkorpora. In diesem Zusammenhang bilden Bibliotheken jene Denkräume, welche die gedanklichen Entwürfe zum einen widerspiegeln, zum anderen erst eröffnen. So manche Wissensordnung entspringt bibliothekarischer Praxis, die ihrerseits wiederum – implizit oder explizit – Ausdruck einer theoretisch fundierten Wissensordnung sein kann, die sich uns erst über dieses Praxiswissen erschließt.
Es ergeben sich somit viele Ausgangspunkte für eine interdisziplinäre Herangehensweise an unser Tagungsthema. Einige Fragen seien im Folgenden angesprochen, ohne dass ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird.
(i) Zunächst stellt sich die Frage nach dem Entstehen und Vergehen von Bibliotheken: Wo gibt es sie? Wer besitzt sie? Wer legt sie an? Wie wird gesammelt? Woher stammen die Bücher? Was sind ihre Preise? Wie entwickelt sich der Bestand über die Zeit? Wie erfolgt die Aufbewahrung, die Aufstellung, die Benutzung? Wer sind die Nutzer? Welchen Regeln unterliegt die Benutzung? Wer überwacht sie und wie? Was tun die Nutzer unter welchen Umständen mit den Büchern, z.B. lesen, kopieren, glossieren, beschädigen, stehlen...? Wann und wie werden Kataloge angelegt? Nach welchen Systemen? Gibt es Punkte, an denen ein bewusster Umbau einer Bibliothek erfolgt? Aus welchen Gründen? Was sind die Gründe für den Verlust von Bibliotheken?
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(ii) In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie Bibliotheken von Zeitgenossen wahrgenommen und beschrieben werden. Mit welchen Absichten werden sie aufgesucht? Wer ist hierzu befugt? Wem ist der Zugang verwehrt





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