header


  

Themen

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Druckversion  |  Schrift: vergrößern verkleinern 

Katholische Philosophie: Traditionalisten

 

Verbitterung bei den Traditionalisten über die Öffnung zur Mo­derne

Für rechtgläubige bzw. traditionalistische Katholiken sind die Glaubenswahrheiten (und dazu gehört auch die Tradition) ein für allemal gültig und zeitlos wahr. Er­kenntnistheoretische Grundlage dazu kann nur eine rea­listische Position sein. Die Hin­wendung auf Kant (und darüberhinaus zu Hei­deg­ger und damit zur Zeitlichkeit wie bei Welte), die insbeson­dere Jesuiten wie Jo­hann Baptist Lotz, Wal­ter Brugger, Eme­rich Coreth und Karl Rahner im An­schluß an Maréchal in der Mitte dieses Jahrhun­derts versucht haben, wurde des­halbseiner­zeitvon konser­vativen Philosophen wie Bernhard Lake­brink als Abkehr von der scholastischen Tradition und von dem vom Papst verord­neten Thomis­mus scharf kriti­siert.

Seltsame Nachwehen um diesen Streit waren in den Leserbrief­spal­ten der konser­vativen ka­tholi­schen Deutschen Tagespost (verkaufte Auf­lage: 15'000 Exemplare) zu spüren. Walter Hoeres, Philosophie­profes­sor in Frankfurt, der schon 1962 als junger Dozent vor einer Begeiste­rung für Kant und Heidegger und der Lehre von der Ge­schichtlichkeit der Wahrheit als Gefahr für den un­verfälschten Glauben gewarnt hatte, sah im Nieder­gang des Jesui­tenordens, ablesbar in der sinken­den Mit­glie­derzahl, eine Spätfol­ge dieses Tradi­tionsbruches, "wie ihn die euro­päische Gei­stesge­schichte wohl selten ge­sehen hat". In dieser Neu­orientierung der Jesui­ten an der Moderne sieht Hoeres "eine der ent­scheiden­den Ur­sachen... der beflissenen Welt- und Fort­schrittsgläubigkeit, die seit dem Konzil die Gemüter beherrscht.": "Der Versuch, die Moderne sozusagen links zu über­holen, indem man sich noch moderner geriert als sie, geht allemal daneben".

Als Antwort auf diese Anklage folgte eine emotional gefärbte Leserbriefserie, die zeigt, daß die Wen­dung zu Kant und Heidegger insbesondere in der Theologie Karl Rahners manchen philoso­phisch interessierten Theo­logen sauer aufgestoßen ist. "Kant hat den Grundstein gelegt zu einer philosophi­schen Verirrung, die dann über Nietz­sche zum Exi­stentialismus in die These von der Ge­schichtlichkeit der Wahrheit ein­mündete. Von Heideg­ger übernehmend bringt Rahner die-sen auflösenden Ge­danken in die ka­tholi­sche Theologie ein. Der breit angelegte Versuch, Thomas von Aquin und Kant zu verbrüdern, beschwor ein verhängnisvolles modernes Denken", brachte Hubert Pieper diese Kritik auf den Punkt. Tadeusz Gut, ein anderer Leserbriefschreiber, äußerte sich verbittert über Rah­ners Aus­sage, "die katho­lische Theol­ogie, so wie sie wirk­lich ist, ist ohne Martin Heideg­ger gar nicht mehr denkbar". In der Zwischenzeit hat sich - vermutlich von den Leser­brief­schrei­bern unbemerkt - auch die ka­tholische Theologie längst von Heidegger verabschie­det.

 aus Heft 4/1997

 







© Information Philosophie     Impressum     Datenschutz     Kontakt