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Philosohie, akademische in Deutschland, Perspektiven (Spohn)

pohn, Wolfgang: Zur Perspektive der akademischen Philosophie in Deutschland

Zur Perspektive der akademischen

Philosophie in Deutschland

 

Von Wolfgang Spohn

 

Der Strukturwandel an den deutschen Universitäten, von verschiedenen Seiten heftig angestoßen, ist mittlerweile in vollem Gange; allenthalben ist von Qualitäts- und Strukturpakten, von Studiengangsreformen und Akkreditierungen die Rede. Das ist im Prinzip gut so; vieles konnte einfach nicht mehr so weiter gehen. Der Wandel ist freilich durchaus ungeordnet. Für das Fach Philosophie, so zeichnet es sich ab, nimmt er dramatische und womöglich existenzbedrohende Formen an. Ob man nun nach Bayern, Berlin, Hessen, NRW oder sonstwohin hört, die Nachrichten über tatsächliche oder geplante Herabstufungen oder Steichungen von Stellen und Schließungen von Studiengängen häufen sich.

 Durch den meist an vordergründigen Nützlichkeiten orientierten Reformeifer geraten die Geisteswissenschaften allgemein unter schweren Druck. Neben den so genannten Orchideenfächern ist die Philosophie aber offenbar in einer besonders kritischen Lage. Wieso? Der Hauptgrund ist, dass bei allen Veränderungen vor allem quantitative Parameter wie Absolventenquote, Lehrauslastung oder Drittmitteleinwerbung herangezogen werden, bei denen das Fach Philosophie nicht gut dasteht. Man kann nun, sogar zu Recht, lamentieren, dass diese Parameter dem Fach Philosophie nicht angemessen sind. Doch muss man sich die Schwachstellen der akademischen Philosophie genau anschauen. Ohne ehrliche Diskussion darüber kann es mit der Philosophie nicht aufwärts gehen.

 Schwachstelle Studium: Bisher konnte man ein Philosophie-Studium mit dem Magister oder dem Staatsexamen abschließen. Das Fach ist gut besucht; die nominelle Auslastung ist höher als in vielen anderen Fächern.

Das Bild wandelt sich jedoch, wenn man die Abschlusszahlen betrachtet; diese sind so schlecht wie in keinem anderen Fach. Bezogen auf die Anfänger schwankt die Quote der Abschlüsse unter 10% (bei einer vergleichsweise ordentlichen, aber trotzdem unbefriedigenden Dauer von etwa 12-13 Semestern). Woher die miserable Quote? Man darf sicherlich vermuten, dass das Fach Philosophie bei noch Orientierung suchenden oder Parkstudenten beliebt ist. Doch je mehr man solche Erklärungen in Anspruch nimmt, umso schlechter stellt sich die tatsächliche Auslastung dar. Die ganze Erklärung kann es jedenfalls nicht sein; denn auch in höheren Semestern ist die so genannte Abbrecherquote immer noch beträchtlich.

Schwachstelle Berufsbild: Das Lehramtsstudium hat ein klares Ziel, den Philosophielehrer. Die Aussichten bessern sich sogar; die Religionsersatzfächer in den Schulen werden vermehrt gewählt, und die Kultusministerien achten verstärkt auf ein professionelles Lehr­angebot. Gleichwohl bleibt das Kontingent begrenzt. Das Magisterstudium gilt hingegen traditionell als Studium ohne festes Berufsbild. Die Studierenden müssen sich individuell um einen Arbeitsplatz kümmern, welcher wahrscheinlich mit Philosophie nicht mehr viel zu tun hat. Diese weit verbreitete Ansicht ist gewiss der Hauptgrund für die hohe und anhaltende Abbrecherquote.

Das einzige weitere feste Berufsbild bildet die Universität selbst. Auf Dauer kann man dort aber fast nur als Professor existieren. Der hochqualifizierte Nachwuchs begibt sich gern auf diesen Weg, ist dort aber wegen Alternativlosigkeit zum – zusehends unwahrscheinlicheren – Erfolg verdammt; bei knapp 300 Philosophieprofessoren in Deutschland (und einer Ersatzquote von jährlich 12 Professuren) habilitierten sich 1998 - 2002 im Schnitt pro Jahr 42 Nachwuchsphilosophen. Damit ist die Zahl der Habilitierten pro Professur (oft erheblich) höher als in jedem anderen Fach, und darum ist die Lage für den wissenschaftlichen Nachwuchs wesentlich dramatischer. Die Folge davon ist, dass wir in den letzten Jahren einen verstärkten Brain Drain im Fach Philosophie beobachten, der umso schmerzlicher ist, weil es eher die Besseren sind, die fortziehen, jedenfalls die, die schon internationale Anerkennung gesucht und gefunden haben.

Schwachstelle Personalstatistik: Die knapp 300 Philosophie-Professoren sind recht gleichförmig übers Land verteilt. Die Statistiken weisen aus, dass etwa ein Drittel aller Professuren sich auf Fachbereiche bzw. Institute mit 3 oder weniger Professuren verteilen und etwa die Hälfte auf Fachbereiche mit 5 oder weniger. Rechnet man befristete wissenschaftliche Mitarbeiter (auf Plan- oder Drittmittelstellen) hinzu, so sieht die Lage so aus: Ein Viertel aller solcher Stelleninhaber arbeiten an Institutionen mit höchstens 7 und die Hälfte an Institutionen mit höchstens 10 Stellen. Das sind dramatische Zahlen. Bei 10 oder weniger Professoren- und Mitarbeiterstellen an einem Fachbereich wird ein vollwertiges Studienangebot schwierig und spätestens bei 7 oder weniger Stellen eigentlich unmöglich. Das bedeutet, dass sich ungefähr 30% der Professoren nicht an einem hinreichenden Studienangebot beteiligen können, und dass sich weitere 20% in problematischen Umständen finden. Ich finde das skandalös. Diese Zahlen werden durch einen im Vergleich zu anderen Fächern enorm hohen Anteil an Privatdozenten und Lehraufträgen gemildert. Doch herrscht hier die pure Ausbeutung; man darf den einen Skandal nicht durch einen anderen entschuldigen.

Diese Zustände führen zudem zu einer problematischen Selektion der Professoren. Denn sie erzwingen, dass zumindest an all den kleineren Institutionen die Breiteder philosophischen Kompetenz das erste Qualifikationskriterium ist. In der Lehre darf man das in der Tat erwarten; und zu eng gezogene Forschungen verlieren wohl ihren philosophischen Charakter. Der Generalismus der Philosophen entspricht ja auch einem traditionellen Klischee. Doch haben sich die Zeiten in den letzten 30 Jahren grundlegend geändert. Überall und eben auch in der Philosophie haben Spezialisierung und Forschungstiefe ganz wesentlich zugenommen und eine Situation geschaffen, in der der bloße Generalist nicht mehr viel zu vermelden hat. Unter solchen Bedingungen wird das Diktat der philosophischen Breite zum Forschungshindernis und zur Begünstigung von Mittelmäßigkeit.

Schwachstelle internationales Ansehen: Natürlich wirkt sich all das auf die internationale Anerkennung der deutschen Philosophie aus. Jürgen Habermas ist wohl der einzige lebende deutsche Philosoph, der auch dem ausländischen Bildungsbürger ein Begriff ist. Es gibt national renommierte Philosophen, die auch international einen gewissen Ruf haben; und es gibt viele Professoren mit guten internationalen Kontakten, die sich den Respekt ihrer ausländischen Kollegen erworben haben. Das ist nicht zu kritisieren. Wir müssen uns im internationalen Vergleich nicht verstecken, zumal wir die Leistungen unter zwiespältigen Bedingungen erbringen. Zwar erhalten wir, bisher noch, relativ gute Gehälter, aber wir zahlen dafür einen hohen Preis, nämlich mit einer höheren Belastung durch Lehre und vor allem durch vielfältige Aufgaben, die mit dem Begriff der Verwaltung ungenügend charakterisiert sind und zu einem deprimierend großen Teil Verschwendung wertvoller Arbeitskraft darstellen. Gleichwohl dürfen wir uns mit diesem internationalen Stand keinesfalls zufrieden geben; Spitzenansprüchen wird er nicht gerecht. Darauf aber muss unser Ehrgeiz gerichtet sein.

Diese viergliedrige Problematik der Lage der Philosophie bildet eine gefährliche Mischung. Ihre fatalen Konsequenzen werden sich mit Macht entfalten; das zeichnet sich schon ab. Natürlich muss man darauf verweisen, dass die Philosophie viel weniger als die meisten anderen Fächer auf ihre inner­universitären Aufgaben beschränkt ist. Die Philosophie hat einen umfassenderen Bildungsauftrag, sie befriedigt auch ein tiefes öffentliches Bedürfnis nach Orientierung, sie pflegt wie wenige das historische Bewusstsein, sie erbringt ganz allgemein mit großem Einsatz eine wichtige kulturelle Leistung. Ich fürchte aber, das wird man ihr wenig vergelten. Die Herren der Finanzen haben dafür nicht viel Sinn, und den Kollegen aus den anderen Fächern kann man es nicht verdenken, wenn ihnen das Hemd näher ist als der Rock. Wenn wir nichts tun, dann werden die Dinge ihren negativen Lauf nehmen.

Vielleicht muss sich die Philosophie eben gesundschrumpfen? Die knapp 300 Philosophieprofessoren kosten den Steuerzahler jährlich etwa 24 Mio. Euro, die ca. 550 Assistenten und Mitarbeiter etwa 29 Mio. Euro (ich habe allerdings den Verdacht, dass die öffentlich zugänglichen Personalstatistiken zu hoch greifen); dazu werden nicht mehr als 25% an Infrastruktur (Sekretärinnen, Biblio­theks- und Sachmittel, Lehraufträge, Verwal­tungskosten etc.) hinzukommen. Das macht jährlich ca. 66 Mio. Euro oder 80 Cent pro Einwohner. Ist das zu viel für die akademische Philosophie? Es gibt keine objektiven Maßstäbe für eine Antwort. Aber Schrumpfen führt da nicht zur Gesundung, sondern nur zur Hinfälligkeit. Die 300 Professorenstellen, wenn sie denn überhaupt erreicht werden, sollten als nicht zu unterschreitende Grenze gelten. Dass wir unser Budget sinnvoll einsetzen, darf man natürlich von uns verlangen; und wenn wir das tun, dann wird es ja vielleicht mehr, vielleicht sogar 1 Euro pro Einwohner für etwas, das zu den Grundlagen unserer Kultur gehört.

Zur sinnvollen Verwendung des Budgets, zur Überwindung der Schwachstellen und zur Zukunftsfähigkeit der deutschen akademischen Philosophie ist noch mehr an Strukturwandel nötig als bisher ins Auge gafasst. Vier Dinge scheinen mir geboten:

Die Ersetzung des herkömmlichen Magister-Studiengang durch eine BA/MA-Struktur: Das ist die dringlichste Maßnahme. Sie hat erfreulicherweise schon begonnen und sollte zügig flächendeckend durchgeführt werden. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Durch die kontinuierliche Leistungskontrolle ist im Philosophiestudium wenig Platz für Park- und Scheinstudenten; das Fach Philosophie macht sich in der Studentenstatistik ehrlicher. Vor allem aber werden die Studierenden in einem straffen Curriculum eng an die Hand genommen und zielstrebig nach 6 oder 7 Semestern zum ersten Abschluss geführt; dem fortgesetzten Drop-out der höheren Semester und dem Immer-weiter-Hinausschie­ben der Magisterprüfung wäre dann ein Riegel vorgeschoben – zum Vorteil vor allem der Studierenden selbst. Es besteht die begründete Hoffnung, dass die Abschlussquote damit einigermaßen auf Normalmaß angehoben werden kann. In den 6 Semestern bis zum BA wird der Student dabei mehr Philosophie gelernt haben als in den nominell 8 Semestern bis zum alten Magister. Natürlich liegt darin auch eine schwerwiegende Verschulung; dem Anhänger Humboldtscher Ideale muss dabei das Herz bluten. Diese Ideale überfordern freilich die meisten der Studienfänger, die ja mittlerweile über 30% einer Altersgruppe umfassen; diese Ideale lassen sich eben erst im MA und den Doktorandenstudien ins Auge fassen.

Die Veränderung des Berufsbildes: Schul- und Hochschullehrer werden weiter benötigt werden. Die Vorstellung, sonst könne man mit der Philosophie nicht viel anfangen, ist aber ein Irrtum, den es energisch auszuräumen gilt. Dass die Bedeutung einer spezifischen Fachausbildung abnimmt und unserer Jugend im Berufsleben immer mehr Flexibilität abverlangt wird, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Stattdessen kommt es zunehmend auf allgemeine und vielseitig verwendbare Fähigkeiten an wie Reflexions-, Diskurs- und Kommunikationsvermögen. Das Fach Philosophie bildet solche Fähigkeiten in besonderem Maße heran. In kaum einem Fach wird so sorgfältig gelesen und geschrieben, so gründlich analysiert und argumentiert wie in der Philosophie. Für das reformierte BA-Studium gilt das sogar verstärkt. In den USA ist diese Tatsache auch in Wirtschaftskreisen schon geläufig. Auch wenn es vielleicht unserem Standesdünkel widerstrebt, so müssen wir dieser Erkenntnis auch hierzulande breitere Geltung verschaffen. Das wird den Erfolg des neuen BA-Studiums maßgeblich befördern.

Eine stärkere inhaltliche Differenzierung der Studiengänge: Die Philosophie hat von jeher und heute nicht minder einen ganz engen Bezug zu den Einzelwissenschaften, auch wenn diese Tatsache allseits unzulänglich im Bewusstsein verankert ist. In diversen Grenz­bereichen sind Forschungsgebiete entstanden, die so groß sind, dass sie sogar ganze Studiengänge tragen können. Daher sollte es neben dem BA mit Philosophie als Haupt­fach, der nach wie vor im Mittelpunkt stehen muss, auch vermehrt interdisziplinäre Studiengänge geben. Seit mehreren Jahren besteht an der Universität Osnabrück ein BA/MA-Studiengang Kognitionswissenschaften und an der Universität Bayreuth ein BA/MA-Studiengang Philosophie & Ökonomie. Beide haben sich erfolgreich angelassen, wie einschlägige Evaluationen ausweisen. Das ist ein zukunftsweisendes Modell. Analog wäre etwa ein Studiengang Medizin & Philoso­phie vorstellbar, der keine Ärzte ausbilden, aber ein wachsendes Berufsbild in Kranken­häusern, Krankenkassen, Gesund­heitspolitik etc. kompetent bedienen könnte, oder ein Studiengang Biowissenschaften & Philosophie, für den etwa das interfakultäre Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen exemplarisch sein könnte. Hier könnten in unserer überspezialisierten Wissenschaftslandschaft hoch attraktive und erfolgreiche Studienmöglichkeiten entstehen. Und natürlich wäre es ein wertvoller Nebeneffekt, auf diese Weise das Bewusstsein für die Relevanz der Philosophie für die Einzelwissenschaften und so deren Solidarität für die Philosophie zu stärken.

Die institutionelle Differenzierung: Sie muss zur inhaltlichen Differenzierung unbedingt hinzutreten. Man muss sich nur vor Augen halten, dass all die philosophischen Institute mit 8 oder weniger Planstellen eigentlich gar nicht imstande sind, einen ordnungsgemäßen BA/MA-Studiengang durchzuführen. Ein BA/MA-Student studiert in 10 Semestern etwa 90-100 Semesterwochenstunden (SWS) Philosophie. Ein philosophischer Fachbereich muss den relevanten Stoff jedes Jahr anbieten, also immer fünf Jahrgänge gleichzeitig bedienen. Das verpflichtet den Fachbereich zu einem Angebot von 45-50 SWS pro Semester. Dafür reichen z.B. 4 Professoren und 4 Mitarbeiter nicht hin. Wenn es zudem noch Wahlmöglichkeiten geben soll, Doktoranden zu betreuen, ein Studium Generale und sonstige Wünsche anderer Fächer zu bedienen sind, etc., dann sieht man schnell, dass auch 9 oder 10 Professoren- und Mitarbeiterstellen eigentlich zu knapp bemessen sind. Das bedeutet (s. die obigen Zahlen), dass etwa 50% der Stelleninhaber im Fach Philosophie an oder unter der Grenze der Fähigkeit zu einem vollen Studienangebot operieren. Das ist ein vollkommen unhaltbarer Zustand, unter dem der BA/MA von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Damit will ich den kleineren philosophischen Institutionen überhaupt nicht die Existenzbasis bestreiten; eine Universität ohne Philosophie wäre ein trauriger Ort. Aber Kreativität wird ihnen abverlangt werden, etwa indem sie den übergreifenden Auftrag der Philosophie betonen, Kooperationen der oben beschriebenen Art eingehen, sich von vornherein auf den BA beschränken, das Nebenfach-Angebot und das Studium Generale stärken, und so fort. Mit solchen Strategien lässt sich der schon begonnene Abbau gerade der kleinen philosophischen Institutionen vielleicht verhindern oder wenigstens mildern.

Die andere klare Konsequenz aus meinen quantitativen Betrachtungen liegt in der Bildung von größeren Zentren mit vollwertigen Studienmöglichkeiten bis hin zur Promotion inklusive Lehrerausbildung und einem reichhaltigen Lehrangebot; das wird m.E. durch den BA/MA erzwungen. Aber auch ohne den BA/MA wäre eine solche Zentrenbildung überfällig. Nur so lassen sich die oben beschriebenen Mängel in der Verteilung des Personals überwinden. An den amerikanischen Universitäten ist eine solche Differenzierung ganz normal. Vielerorts kann man nur den BA erwerben; ein Graduate Program einzurichten, ist schwierig und teuer. Dafür gibt es an den Top Ten der amerikanischen Philosophy Departments im Schnitt 22 Professoren (vom Assistant bis zum Full Professor). Das müssen wir hier nicht gleich kopieren (hierzulande liegt nur die Universität München derzeit noch über diesem Schnitt), aber die Richtung wird uns davon schon gewiesen. Dann kann man sich mehr an Spezialisten leisten, die sich in ihrem Forschungsgebiet ausgezeichnet haben. Breite muss dann nicht mehr zur Verwässerung führen, sondern lässt sich durch ein größeres Personal auf Spitzenniveau realisieren. Die Chance auf Kooperationen und Synergien ist an solchen größeren Fachbereichen wesentlich ver­bessert. Sie wären auch für ausländische Studenten und (Gast-)Professoren viel attraktiver. Das ist, denke ich, der wichtigste und in der Tat einzige Weg, um ein auch international herausragendes Niveau zu erreichen. Darum sollte diese Konsequenz mit Entschlossenheit umgesetzt werden.

Über die Durchführbarkeit dieser Maßnahmen machen ich mir keine Illusionen. Es gibt erfreuliche Ausnahmen, aber insgesamt sind die Universitäten nicht geneigt, ihre Philosophie zu vergrößern. Die Verschiebung der Planstellen zwischen den Universitäten ist praktisch kaum zu organisieren. Die Maßnahmen würden viele Verlierer haben. Unter den Kandidaten für vollwertige Fachbereiche müsste es einen harten Wettbewerb um die Aufwertung geben. Der Status der Vollwertigkeit wäre auch immer wieder zu überprüfen und zu verteidigen.

Daher werden meine Vorschläge viele Gegner haben. Auch wird es außerhalb der Philosophie übelmeinende Kräfte geben, die sich nur die negative Hälfte dieses Artikels zu eigen machen, um sie gegen die Philosophie zu verwenden. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir keine Wahl haben; die Alternative wird ein ungeplanter und schleichender Niedergang sein. Deswegen ist es höchste Zeit, die Diskussion über die Zukunft der deutschen Philosophie zu führen, nicht nur intern, sondern öffentlich mit den Universitätsspitzen, den Ministerien, dem Wissenschaftsrat und anderen. Viel­leicht könnte man in zwei bis drei Jahren das Bild einer angemessenen und tragfähigen Struktur für das Fach Philosophie entwickeln und in wenigen weiteren Jahren diese Struktur realisieren. Dann wäre die deutsche Philosophie in 10 Jahren wieder zu­kunftstauglich; hoffentlich ist es dann nicht zu spät. Die ehrliche und ernsthafte Diskussion darüber muss jetzt beginnen.

 

UNSER AUTOR:

 

Wolfgang Spohn ist Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz.

 

 

 

 

 







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